Interview

“Irgendwo sind die Blogger ihren Lesern verpflichtet“

Am Mittwoch 2 Februar 2011 von Thomas

Vermarktung oder Vertrauen: Lea, 16, macht in zwei Jahren Abi und findet Blogs veraltet

Schleichwerbung in Blogs ist Lea völlig neu. Textberater.com hat die Gunst der Stunde genutzt und sprach mit unserer unvoreingenommenen Redaktions-Praktikantin über den Fall Basicthinking und die Frage, ob man sich als Blogger überhaupt vermarkten kann.

Textberater.com: Was hältst du eigentlich von Blogs?

Lea: Ich halte Blogs für veraltet. Heute gibt’s Facebook. Ich persönlich lese da nicht und kenne auch keinen, der das macht.

Aber Internet-Recherche und so…

Für Referate bin ich auch ab und zu in Foren, bin aber nirgends angemeldet und schreibe auch nichts irgendwo rein.

Schon mal von Schleichwerbung in Blogs gehört?

Das Thema ist für mich völlig neu.

Derzeit diskutieren die alten Leute über 30 im Internet, den Fall von Basicthinkin-Betreiber Online-Kosten.de. Die haben Blogger bezahlt, damit sie Artikel publizieren, in denen Links auf andere Webseiten drin sind. Das finden jetzt alle total doof. Was meinst du dazu?

Da bin ich geteilter Meinung. Pallenbergs Position, das würde einen Tsunami auslösen und einen Blog-Szene-Skandal bedeuten, finde ich übertrieben. Aber die Kommentare zu dem Thema, die das auf die leichte Schulter nehmen, finde ich zu locker.

Irgendwo sind die Blogger ihren Lesern verpflichtet. Infos mit persönlichem Touch und gleichzeitig gekaufte Beiträge; das passt nicht zusammen. Da geht’s um Vertrauen.

In den USA sind Blogger verpflichtet, Auftrags-Artikel als solche zu kennzeichnen. Brauchen wir in Deutschland auch so ein Gesetz?

Wäre vielleicht sinnvoll. Schleichwerbung im Internet ist das Gleiche wie Schleichwerbung im TV. Aber wer soll das kontrollieren? Es meldet ja kein Leser, wenn ein Blog Links verkauft.

Dann vielleicht eine freiwillige Selbstverpflichtung? Würde das was bringen?

Freiwillige Selbstverpflichtung?

Beispiel: In der PR gibt es ein Statut vom Deutschen Rat für Public Relations. Dem kann man sich als PR-Firma verpflichten und damit versprechen: Wir machen keine verdeckte PR.

Die Idee ist gut. Aber das würde die Blogger spalten. Die einen würden sich der Redlichkeit verpflichten. Und die anderen wären dann per se die Bösen. Die Frage ist auch, wie bekommt man die Blogger dazu, sich so einer Initiative anzuschließen?

Jetzt mal zurück dem aktuellen Fall. Glaubst du, dass Basicthinking.de an Reputation eingebüßt hat?

Ich denke schon. Ich hatte von denen zwar noch nichts gehört. Aber jetzt bin von vornherein skeptisch. Der Gründer des Blogs wird ja überall gelobt. Und dann machen die neuen Eigentümer alles kaputt. Das wirkt unmoralisch, als wären die jetzigen Betreiber des Blogs nur auf Geld aus.

Viele Blogbetreiber machen sich Gedanken, wie sie ihre Webseiten vermarkten können. Und die meisten denken dabei eben auch ans Geld. Ist das die falsche Denke? Worüber sollten die Blogger vielleicht besser nachdenken?

Weiß nicht. Ich versteh auch nicht, wie man so viel Zeit in solche Projekte stecken kann, nur damit dann andere ihre Meinung ablassen.

Robert Basic beispielsweise ist als Blogger vom der ersten Stunde zum Internet-Experten avanciert. Und da gibt es ja viele Beispiele wie auch Netzpolitik.org, deren Betreiber Unternehmen in Sachen Internet-Kommunikation beraten. Könntest du dir vorstellen, dass viele Blogger so einen Beraterstatus bekommen.

Das wird schwer. Zu jedem Thema gibt’s verschiedene Blogs. Und da ist die Frage: Wie hebe ich mich von den anderen ab? Die kleineren und unbekannten Blogger werden tendenziell immer klein und unbekannt bleiben.

Kommentieren ist momentan nicht möglich.