Zitierregeln im Web

Guttenplag-Nutzer kopiert ganzen Text – immerhin mit Fußnote

Am Freitag 11 März 2011 von Thomas
Guttenplag-Kopie bei Google

Guttenplag bei Google: Die Risiken der Copy-Paste-Strategie im Web

Unser Psychologie-Interview, das unter anderem zu Guttenbergs Rücktritt prognostizierte, kann man jetzt auch vollständig im Guttenplag-Wiki lesen. Die Plagiats-Rechercheure haben es nämlich einfach kopiert – immerhin mit Link aufs Original.

Dennoch, ein Geschmäckle bleibt hängen. Wäre es nicht auch damit getan gewesen, die zentralen Sätze und vielleicht die Überschrift zu kopieren? Gerade wenn es sich um eine Webseite handelt, die der guten alten Copy-Paste-Strategie den Kampf angesagt hat? Wer weiß.

Was wir allerdings wissen: So ein kopierter Text birgt im Internet gewisse Risiken. Zum Stichwort „Double Content“ gibt’s mittlerweile beinahe wissenschaftliche Abhandlungen. Im Kern geht’s beim „duplizierten Inhalt“-Problem immer darum, dass Google nur eine der beiden Webseiten als echte Quelle anerkennt.

Und das heißt für die „falsche“ Quelle, dass sie aus den Suchergebnissen rausfliegt. Im schlimmsten Fall stuft Google die ganze Seite im Ranking auf Null. Dann ist es aus mit den Besuchern, die etwas zu einem bestimmten Suchbegriff wissen wollen und gelegentlich vorbeischauen.

guttenplag kopiert ganzen Text

Macht nachdenklich: Plagiats-Rächer übernehmen vollständiges Interview

Gewinner im Google-Rennen um die echte und falsche Quelle ist in der Regel die Webseite mit der größeren Glaubwürdigkeit. Google misst die Glaubwürdigkeit beispielsweise über die eingehenden Links auf die Webseite. Und da hat so ein Wiki mit Links aus so ziemlich allen großen Onlinemedien Deutschlands einfach die Nase vorn, auch wenn unser Online-Magazin der Herzen beispielsweise schon das eine oder andere Jahr länger am Markt ist.

So. Was machen wir jetzt? Abmahnung? Unterlassung? Freundliche Email an die Betreiber mit dem Verweis, dass die Rechnung schon in der Post ist?

Alles Quatsch. Daher an dieser Stelle ein Appell: Liebe Guttenberg-Jäger, auch im Web gibt’s Zitierregeln. Danke für den Verweis auf unseren Artikel. Denkt bitte auch daran, dass so eine Kopierstrategie verheerende Folgen haben kann.

Mehr zum Thema:
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Social Media nützt nur Vermarktern, geklauter Content, immer mehr Senioren auf Facebook

11 Kommentare zu “Guttenplag-Nutzer kopiert ganzen Text – immerhin mit Fußnote”

  1. Thomas sagt:

    @Wiki-User: Nix ist gelöscht. Eben geschaut.

    @rtc: Nochmal danke für die ausführlichen Erläuterungen. Du wirst verzeihen (Achtung Ironie), dass ich die von dir verfasste Vorlage nicht kopiere und in meinen Text einfüge.

    @Newsleser: Find ich auch.

  2. rtc sagt:

    @News-Leser: Solche Dinge sind unvermeidbar bei einem derart in der Öffentlichkeit stehenden Wiki, das größtmögliche Offenheit gewährt. Es ist in dieser Situation nicht möglich, die vielen hundert Diskussions- und fast 100000 Kommentarbeiträge zu überprüfen und es würde auch zu viel Arbeitskraft binden, die für die eigentliche Arbeit fehlen würde. Bestimmt enthalten andere Beiträge noch viel üblere Sachen. So etwas kann man in einem offenen Wiki nicht verhindern. Ich sehe da kein “Geschmäckle”, und sei es noch so klein. Die schlechtere Alternative wären strikte Vorabkontrolle und -Zensur.

    Ich kritisiere ja nicht, dass Thomas etwas dagegen hat, wenn jemand seine Beiträge kopiert, oder dass er sich dazu öffentlich äußert oder es nicht stillschweigend in Kauf genommen oder stillschweigend dagegen vorgegangen wäre. Ich kritisiere nur, dass es dargestellt wird, als hätte irgendjemand anderes als der konkrete, einzelne Benutzer, der die Rechtsverletzung ins Wiki kopiert hat, einen Fehler gemacht, und sei es nur ein Geschmäckle-Fehler. Denn, wie ich unten ausgeführt habe, sind Urheberrechtsverletzungen einerseits und Plagiate andererseits zwei völlig verschiedene Dinge, die man nicht in einen Topf werfen darf. Die Kritik bezüglich illegaler Kopie mag also berechtigt sein. Die Kritik am Wiki als solchem aber ist es aber nicht.

    Richtig wäre es also, in etwa folgendes zu schreiben: “Unser Psychologie-Interview, das unter anderem zu Guttenbergs Rücktritt prognostizierte, kann man jetzt auch vollständig im Forum des Guttenplag-Wikis lesen. In diesem Forum können auch nicht angemeldete Benutzer Beiträge schreiben, und ein solcher hat es dort einfach hin kopiert. Zwar immerhin mit Link auf das Original. Dennoch, so ganz in Ordnung ist das nicht. Wäre es nicht auch damit getan gewesen, den Link, plus eventuell die zentralen Sätze und vielleicht die Überschrift zu kopieren? Gerade wenn man in einem Forum eines Wiki unterwegs ist, das eine kritische Untersuchung von Textkopien in einem Werken durchführt, müsste doch auch bei unangemeldeten Beitragsschreibern ein gewisses Problembewusstsein vorhanden sein, auch wenn es in diesem Fall mehr um ein Urheberrechtsproblem als ein Plagiatsproblem geht.”

  3. News-Leser sagt:

    Also ich finde, der Textberater-Artikel trifft es schon: es wird ja keine Anklage erhoben, sondern von einem “Geschmäckle” gesprochen. Wenn Textberater.com mein Blog wäre, würde ich auch stirnrunzelnd-schmunzeln, wenn – egal wer, ob ein verirrter User oder der Herausgeber selbst oder oder oder – jemand meinen kompletten Artikel kopiert hätte. Wie gesagt, immerhin mit Link. Aber auch das ist nur EINE Meinung, allerdings frei von Seufzern und Zeigefinger-Didaktik “wie man’s stillschweigend hätte machen sollenkönnenwollen”.

  4. rtc sagt:

    @Thomas: Seufz… Nein. Du hättest mehrere Möglichkeiten (wäre der Text nicht schon längst gelöscht): 1. Die unbürokratische: Den Text selbst löschen. Ohne Anmeldung. Einfach auf “Bearbeiten” klicken, Teil entfernen, Speichern, fertig. Ganz unkompliziert 2. Die ein bisschen bürokratische: Du hinterlässt im Wiki eine Nachricht, dass da kopiert wurde und bittest andere Nutzer, es zu entfernen, 3. Die bürokratische: an den (nicht wie im Blog-Artikel: “die”, es gibt nur einen) Betreiber (nämlich Wikia) eine Mail schicken, dass er sich drum kümmern soll. Der hat die gesetzliche Pflicht, die Rechtsverletzung zu beseitigen, nachdeem er davon durch Deine Mitteilung in Kenntnis gesetzt wurde. Link zur Emailadresse habe ich bereits geschrieben. 4. Die sehr bürokratische: Anwalt auf den Benutzer hetzen, der die Rechtsverletzung zu verantworten hat, mit Abmahnung, Rechnung, Unterlassung und was Dir sonst noch so alles einfällt.

    Irgendwie lese ich aus Deinem Blog-Eintrag zwischen den Zeilen heraus, dass Du glaubst, irgendjemand, der Staat, andere Wikibenutzer usw. müsste automatisch solche Rechtverletzungen eines Wikibenutzers aktiv suchen und selbständig entfernen, oder zumindest entfernen, wenn sie zufällig Kenntnis davon erlangen. Das ist nicht der Fall; wir leben in einem Rechtsstaat und da wird man nicht für das verantwortlich gemacht, was andere verbockt haben.

    Auch scheinst Du zu meinen, es gäbe zumindest eine moralische Pflicht, das zu tun, weil Du glaubst, dass es sich beim Guttenplag-Wiki “um eine Webseite handelt, die der guten alten Copy-Paste-Strategie den Kampf angesagt hat”. Das ist falsch. Das Guttenplag-Wiki hat nicht der “guten alten Copy-Paste-Strategie den Kampf angesagt”. Das Guttenplag-Wiki hat lediglich wissenschaftlichen Plagiaten den Kampf angesagt, also der Vorgehensweise, fremde wissenschaftliche geistige Leistungen als selbst entdeckte Neuheiten auszugeben. Aber weder ist der Forenbeitrag Wissenschaft, noch gibt er fremde wissenschaftliche Leistungen als die eigenen aus. Was hier verbleibt, ist einfach nichts weiter als eine Urheberrechtsverletzung. Das Guttenplag-Wiki hat sich nicht in der Urheberrechtssdebatte positioniert. So wurde durchaus schon die Auffassung vertreten, dass das Kopieren von Blogeinträgen unter Angabe der Quelle moralisch legitim sei (obwohl momentan rechtswidrig). Das kann man so sehen oder auch nicht so sehen; es hat mit der Frage, mit der sich das Wiki beschäftigt, nichts zu tun. Urheberrechtsprobleme und Plagiatsprobleme sind zwei völlig verschiedene Dinge, die leider in der Debatte von einigen völlig verwechselt werden, sogar von Professoren, die es eigentlich besser wissen müssten. Siehe z.B. http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/FAQ#Kann_man_gegen_den_Autor_mit_dem_Urheberrechtsgesetz_vorgehen.3F — “Zu beachten ist, dass die Presse und viele vorgebliche Experten die Problemlage falsch als ein Urheberrechtsproblem darstellen. Es handelt sich im Kern um ein Problem des sogenannten Prüfungsrechts der Universitäten.” und die darauf folgenden Ausführungen.

  5. Thomas sagt:

    Also wenn ich das richtig verstehe, soll ich mich irgendwo einloggen, um einen von hier geklauten Text selbst zu löschen.
    Super Idee!

  6. meinereiner sagt:

    Tja, es hätte 2 Minuten gedauert den Text zu entfernen und den Link auf diese Seite zu setzen, aber es war wohl wichtiger einen Artikel darüber zu schreiben und sich aufzuregen.

    Wenn das “Nachhaltige Kommunikation” ist …

  7. rtc sagt:

    @Thomas: Allerdings, Ihr von Ihnen verlinkter Beitrag über Wikipedia war ähnlich wenig von Sachkenntnis geprägt. “Wikimedia [Deutschland e.V.], Herausgeber der deutschen Version der Internet-Enzyklopädie Wikipedia” — bei solchem Unsinn kann man eigentlich gleich schon aufhören zu lesen. Wikimedia Deutschland e.V. ist ein Verein, der Wikipedia finanziell unterstützt und ein Verein, in dem auch einige Wikipedia-Benutzer Mitglied sind und sich untereinander austauschen. Aber er ist nicht Herausgeber der deutschsprachigen Wikipedia de.wikipedia.org — nur des von der Wikipedia unabhängigen Suchportals http://www.wikipedia.de. Das hat Ihnen dort schon Marcus Cyron zu erklären versucht (wenn auch nicht so ausführlich). Dass Sie die Aussage dennoch “nach wie vor genau passend” finden, ist erstaunlich. Schade, dass Sie die dortige Diskussion nicht zum Anlass genommen haben, Ihre Missverständnisse zu klären und es diesmal besser zu wissen.

  8. Thomas sagt:

    Erst mal Danke für die umfangreichen Erklärungen an Wiki-User und rtc! Erinnert mich an die Wikipedia-Diskussion.
    http://www.textberater.com/news/wikipedia-land-im-urzustand/

  9. Wiki-User sagt:

    Liebe „Textberater“,

    Herzlichen Dank für den Hinweis.

    GuttenPlag ist ein öffentliches Wiki (ähnlich wie Wikipedia), bei dem jede Person fast alle Seiten ohne Anmeldung editieren kann.
    Hinter dem öffentlichen Bild von Guttenplag stehen keine „Plagiatsjäger“ oder “Guttenberg-Jäger”, sondern Personen die sich mit Plagiaten befassen und tausende von Besuchern die sich zum Thema und zu anderen Themen äußern.
    So sind es nicht „die Plagiatsjäger“ oder “Guttenberg-Jäger”, die im Web nicht „Zitierregeln“ einhalten, sondern in diesem Fall hat ein einziger Besucher der Website diese bedauerlicherweise nicht eingehalten.
    Daraufhin wurde das gesamte Interview gelöscht auf der angesprochenen Seite im Wiki. Den Verweis zu Ihrer Seite bleibt erhalten.

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende,

    Einer von tausenden Wiki-Usern

  10. rtc sagt:

    Im Guttenplag-Wiki und auch im dortigen Forum kann *jedermann* ohne Anmeldung schreiben (und nicht nur angebliche “Guttenberg-Jäger”), was auch in diesem Fall passiert ist. Das ist ja geradezu die Natur eines Wiki, noch mehr als bei einem normalen Webforum. Verantwortlich für die Inhalte sind die jeweiligen Benutzer selbst, die etwas schreiben (sie müssen also, wenn sie so etwas tun durchaus auch mit Abmahnung, Unterlassung, oder Rechnung von Seiten des Rechteinhabers rechnen). Nicht aber verantwortlich ist “Guttenplag” — was auch immer “Guttenplag” sein soll, denn prinzipiell ist das nur ein Wiki von Wikia, das einzelne Benutzer bearbeiten (grob vergleichbar mit der Kommentarfunktion hier im Blog). Es existiert keine Organisation namens “Guttenplag” oder ähnliches, die für das Wiki in übergreifender Form verantwortlich wäre. Der Betreiber des Wiki (also Wikia) hat aber eine allgemeine Emailadresse zur Meldung von copyright-verstößen: http://de.community.wikia.com/wiki/Kontaktiere_uns Das ist aber gar nicht nötig, da es einen schnelleren und unbürokratischeren Weg gibt: Weil jeder das Wiki bearbeiten kann, hätte auch derjenige, der diesen Blog-Eintrag verfasst hat, einfach selbst die Kopie entfernen können.

  11. Die Ironie des Vorgangs ist nicht ohne Würze: Um einen Missstand (Plagiarismus)aufzuklären bzw. aufzuzeigen, bedient man sich selbst einer verwandten Unart (Copy and paste), die gefährlich nahe dem kommt, was man doch anprangert. Einer meiner Bekannten ist beim Googeln tatsächlich zuerst auf diese Site verwiesen worden, nicht an die Ursprungssite.