Reaktionen auf Manifest

“17 Thesen von 15 Leuten sind auch nicht das Internet”

Am Dienstag 8 September 2009 von Christina

Ähnelt Fischers Wandel vom Revoluzer zum Spalter: Internet Manifest teilt Blog-Bewegung

Ähnelt Fischers Wandel vom Revoluzzer zum Spalter: Internet Manifest teilt Blog-Bewegung

Wenn ein Grundgesetz die Nation spaltet: Mit dem Internet-Manifest haben sich 15 Internet-Promis zu einem politischen Statement zusammengefunden. Die Reaktionen darauf sind durchaus positiv, die Lehre daraus ernüchternd. Textberater.com mit einer Prognose zu Spaltung und Fall einer Bewegung.

Das sind die Macher des Internet-Manifests:

* Markus Beckedahl

* Mercedes Bunz

* Julius Endert

* Johnny Haeusler

* Thomas Knüwer

* Sascha Lobo

* Robin Meyer-Lucht

* Wolfgang Michal

* Stefan Niggemeier

* Kathrin Passig

* Janko Röttgers

* Peter Schink

* Mario Sixtus

* Peter Stawowy

* Fiete Stegers

Die 17 Manifest-Punkte erinnern ein bisschen an den Thesen-Anschlag Luthers, der die Reformation einläutete. Ganz so revolutionär geht’s hier aber nicht zu. Stattdessen ähnelt der Text einem Grundgesetz, das Binsenweisheiten zu ethischen Normen gerinnen lässt. Und dennoch: Die Spaltung steht an.

Im Establishment angekommen

Die Reaktionen auf das Manifest sind zweigeteilt: Die Befürworter des Manifests rekrutieren sich vor allem aus den Reihen der klassischen Medien und Blogger jenseits der 30. Die Kritiker – das sind nicht so viele, sind die Hardcore Blogger und Internet-Freaks. Auf den Seiten des Manifests gibt’s zahllose Kommentare – auch kritische.

Daran erkennt man gut, wie sich die Diskussionskreise neu organisieren. Blogger der ersten Stunde gehören zum Medien-Establishment, werden dauernd in Zeitungen zitiert, treten in Werbespots auf und beerdigen jetzt die ungeschriebenen Gesetze des Web durch schriftliche Niederlegung.

Die Grünen 2.0

Die Geschichte erinnert an die Anfänge und Aufstieg der Grünen. Vom Strickpulli und Rauschebart zur Regierungs-Beteiligung. Sascha Lobo und Stefan Niggemeier sind die Joschka Fischers 2.0 – erst Steine werfen, dann Armani tragen.

Und damit ereilt sie freiwillig oder unfreiwillig das Schicksal der Aufsteiger: Die (Partei-) Basis, der ideologische Kern, die Graswurzeln der Bewegung – sie werden abgetrennt. Die Blogger-Gemeinde teilt sich in zwei Lager. Der eben noch als einheitlich wahrgenommene Blog-Block differenziert aus.

Radikalisierung durch Abgrenzung

Künftig werden medienseitig nicht mehr einfach „die Blogger“ zitiert, deren Meinungen sich ähneln. Stattdessen wird man lesen, dass Mehrheit der Blogger mit gemäßigten (langweiligen) Statements reagiere, während sich vor allem die „Kleinen“ in Schimpf-Triaden ergießen. Oder man wird gar nichts dazu lesen.

Der Effekt politischer Abgrenzung ist nämlich auch immer der Gleiche: Die Gemäßigten werden zur inhaltlichen Nullnummer. Die Radikalen werden radikaler. Und beide werden unwichtiger.

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1 Kommentar zu ““17 Thesen von 15 Leuten sind auch nicht das Internet””

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