Traurig aber da
Analysiert: Blogger haben Depressionen
Am Donnerstag 24 Juni 2010 von Thomas
Software analysiert Blog-Texte und liegt bei Tests zu 78 Prozent richtig: Textberater.com erklärt, warum die Dunkelziffer depressiver Blogger jenseits der 100 Prozent liegt.
Zwei Israelische Wissenschaftler haben eine Software geschrieben, die anhand von Blogtexten auf den psychischen Zustand der Autoren schließt.
300.000 Einträge wurden analysiert. Sowohl die 100 von dem Programm als depressivsten bezeichneten Einträge, als auch die 100 als am fröhlichsten identifizierten Texte wurden von Psychologen gegengecheckt.
Ergebnis: Die Psychologen bestätigten die Maschinen-Ergebnisse zu 78 Prozent. Allerdings haben die Forscher nur Blogs durchforstet, die auf Websites für psychische Gesundheit gepostet wurden.
Das selektiert die Datenbasis natürlich recht streng vor. Warum sollte jemand auf solchen Seiten bloggen, wenn er kein Problem hat? Außerdem gibt die uns vorliegende Meldung keinen Aufschluss darüber, wie hoch der gmessene Anteil depressiver Blogger ist.
Aber auch jenseits wissenschaftlicher Kriterien bieten sich Ansätze, die auf eine Dunkelziffer depressiver Blogger jenseits der 100 Prozent schließen lassen – wenn das rechnerisch möglich wäre.
1. Schreiben macht traurig: Es ist eine Binsenweisheit, dass schon berühmte Romanautoren eine zerstörerische Beziehung zum Alkohol pflegen.
2. Bloggen macht süchtig: Wir erinnern an die großartig inszenierten Treffen anonymer Blogger im Kreis des Spiegel-Kultur-Bloggers Matthias Matussek. Dort trafen sich die Blogger-Größen renommierter Zeitungen, um sich letztlich an den Händen haltend zu versprechen, das Bloggen sein zu lassen – erfolglos.
3. Bloggen macht einsam: Alle reden zwar über Verlinkungen und meinen Verweise unter verschiedenen Blogs. Aber so einen Link kann man nicht in den Arm nehmen. Und er hört auch nicht zu, wenn man mal wieder reden will.
4. Deswegen lässt Bloggen auch so eine Verbitterung entstehen. Ewige Monologe, dokumentiert in Wordpress; mit Zufriedenheit hat das nichts zu tun.
5. Weiteres Indiz für eine psychische Erkrankung ist das ständige Wiederholen pathologischen Verhaltens. Aber was soll man machen? Erscheinen nicht regelmäßig neue Blog-Einträge, wenden sich Leser und Google schnell ab.
6. Und es ist die Abhängigkeit von einer anonymen Außenwelt, die beim Blogger latent vorhandene und vermutlich mit falscher Erziehung korrelierende Persönlichkeitsstörungen auslöst.
7. Doch auch die Frage nach dem Sinn ist im Blogger zu tief verwurzelt: Warum mach ich das? Ausnahme bilden da lediglich die fröhlichen Technik-Schreiber, die immerhin noch regelmäßig Pakete mit zu testenden Geräten bekommen. So entsteht Sinnhaftigkeit schon durch das Klingeln des DHL-Boten.
8. Die Physis verfällt: Die geduckte Haltung über der Tastatur, der Mangel an Sonne, die fehlende Zeit für Sport – das ist nicht gut und sorgt für einen Mangel an Glückshormonen.
9. Überhaupt sind die Erfolgs-Momente spärlich gesät. Der erste Leser-Kommentar, der erste Artikel mit mehr als 1.000 Klicks – das sind alles Sachen, die eben nur einmal passieren können. Und was kommt dann?
10. Die Textberater.com-Redaktion hat keine zehnte Idee und fühlt sich stattdessen plötzlich so traurig und müde. Aber vielleicht fällt den Lesern ja noch etwas ein. Ach, und wenn nicht, was macht das schon?
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Schlagworte: Analyse, Blog, Blogs
Dieser Beitrag wurde am Donnerstag 24 Juni 2010 um 10:03 Uhr von Thomas veröffentlicht und unter News, Unterhaltung gespeichert.
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Wichtiger Artikel, ich werde wohlnun auch gleich wieder weiter baelttern hier. Bis zum Naechsten mal.