Gefühlte (Un-)Sicherheit

Datenklau bei SchülerVZ: 20-jähriger Tatverdächtiger festgenommen

Am Montag 19 Oktober 2009 von Thomas

Erpressungsversuch, mysteriöse Daten-Quellen, Sicherheits-Misere: Nach dem spektakulären Daten-Debakel bei SchülerVZ, bei dem mehr als eine Million private Informationen von Minderjährigen gehackt wurden, ist nun ein Verdächtiger festgenommen worden. Doch das Rätselraten über den Verbleib der Daten geht weiter.

Der 20-Jährige wurde laut Spiegel Online heute Abend per Haftbefehl eingebuchtet. Der junge Mann wurde in Berlin aufgegriffen, stammt aber laut Medienberichten aus Erlangen.

Der Schluss liegt nahe, dass es sich tatsächlich um den unlängst ins Gespräch gekommenen Matthias L. handelt, der allerdings nach bestehenden Informationen aus dem Raum Nürnberg stammt.

Geld erpresst oder Sicherheitslücke aufgedeckt?

Der Täter hatte offenbar versucht, VZ zu erpressen. Er habe mit dem Verkauf der Daten gedroht, wenn VZ nicht eine ungenannte Summe bezahlen würde.

Allerdings gehen die Ermittler davon aus, dass zwei gehackte Datensätze existieren. Jedenfalls hatte der hackende Blogger das in seinen Artikeln angedeutet. Wer noch in die Sache verwickelt sein könnte, ist bislang nicht bekannt.

Der Verhaftete beteuert, dass er mit seinen Hacker-Versuchen nur auf Sicherheits-Probleme bei SchülerVZ hinweisen wolle.

Wer ist der zweite Hacker?

Der mutmaßliche zweite Täter hatte nach dem Bekanntwerden des Datenklaus in diversen Blogs damit geprahlt, ebenfalls massenhaft Daten aus VZ-Netzwerken ausgelesen zu haben.

Pikant: Diese Daten beinhalteten auch ausführliche Informationen über Hobbys, Lieblingsmusik oder Lieblingsfilme der ausgespähten Schüler.

Was mit diesen Daten wird, ist noch unklar. Scheinbar hat der noch unbekannte Hacker die Datensätze in diversen Hackerforen gepostet und schreibt selbst: “Genau von dieser Datenbank dürften im Internet noch einige Kopien rumfliegen, da diese von meinem Server 17x heruntergeladen wurde”.

Was wird aus SchülerVZ?

Was wird jetzt aus SchülerVZ und damit aus der gesamten VZ-Familie? Beim Lieblingsthema Sicherheit spekulieren Medien und Datenschützer wie gewohnt am liebsten.

Die Financial Times Deutschland hatte sogar schon den Verlust berechnet, den das Unternehmen durch die Datenpanne erleiden wird – es ging natürlich gleich um Millionen.

Klar ist: Das Thema Sicherheit lag den VZ-Netzwerken in den Marketing- und Community-Mitteilungen immer sehr am Herzen – allerdings wurde da offenbar mit Zertifikaten und Sicherheits-Siegeln viel Wind gemacht.

Gefühlte (Un-)Sicherheit

Wie wenig Substanz hinter solchen Marketing-Versprechen steckt, zeigt der aktuelle Fall. Und das denken sich auch die VZ-Nutzer. Außerdem werden die sich fragen:

Kann ich denen von VZ überhaupt noch irgendwas glauben? Was werden meine Eltern sagen? Für wie naiv halten mich meine Freunde, wenn ich bei VZ ein Profil habe? Soll ich nur noch banale oder sogar falsche Informationen über mich publizieren?

Geizen die Nutzer mit Infos über sich, geizen auch die Werbepartner

Speziell die letzte Frage hat es in sich. Aus Vermarktungs-Sicht sind die Netzwerke mit den Millionen von Usern ja nur deswegen interessant, weil man Werbung zielgenau auf Gruppen mit bestimmten Interessen abfeuern kann.

Netzwerk-Schwester StudiVZ hatte erst diesen Herbst genau mit diesem Argument Werbepartner zu überzeugen versucht. Die so genannte VZ-Konsole mache Werbung zielgruppen-genau, „weil unsere Nutzer und die relevanten Infos zur Verfügung stellen“, heißt es da sinngemäß.

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2 Kommentare zu “Datenklau bei SchülerVZ: 20-jähriger Tatverdächtiger festgenommen”

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