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Die erfolgreiche PR-Strategie Thilo Sarrazins
Am Samstag 10 Oktober 2009 von Thomas
Während der Zentralrat der Juden Thilo Sarrazin (SPD) für seine ausländerfeindlichen Äußerungen mit Hitler vergleicht, versucht sich der Bürgermeister von Berlin Neuköln, Heinz Buschkowsky (SPD) in Relativierung. Klar ist: Sarrazin ist mit seinem bislang umstrittensten Vorstoß ein PR-Coup gelungen.
Der Rundumschlag Thilo Sarrazins gehe zu weit. Auch seine Geißelung Berlins habe bei ihm den Eindruck erweckt, er lebe in einer ganz anderen Stadt, so Buschkowsky.
Erst Kritik, dann Sympathie
Der für seine kommunikative Haudrauf-Mentalität bekannte Ex-Finanzsenator Berlins und derzeitige Bundesbänkler hatte vor mehr als einer Woche ein Interview über Berlins wirtschaftliche Zukunft gegeben und gesagt, er müsse “niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert”.
Harte Worte, die zahlreiche Kritiker seitens der Migranten-Lobby auf den Plan rief. Andererseits melden sich auch Verteidiger Sarrazins, etwa die Publizisten Henryk Broder und Ralph Giordano.
Die türkischstämmige Frauenrechtlerin Necla Kelek sagte sogar: Wer die klaren Worte Sarrazins für Hetze halte, müsse sich fragen lassen, ob er die Fakten kenne oder nicht längst aufgegeben habe.
„Solche Debatten bringen nichts“
Deutschland diskutiert, scheinbar auf Kosten des gegeißelten Sarrazins. Bliebe nur noch die Frage, warum macht der so was?
Die Welt kommentiert: Solche Debatten haben noch niemanden etwas gebracht. Wettanbieter veranstalten Spiele, in denen man auf den Rücktritt Sarrazins von seinem Bundesbank-Posten setzen kann – Quote 8:1 für Sarrazins Verbleib.
Die Dynamik spielt für den Geheimtipp
Die heiße Spur in Sachen PR-Motiv hat Der Freitag aufgenommen. Das Meinungs-Medium vergleicht den Fall Sarrazin mit dem unlängst wegen Vergewaltigung festgenommenen Star-Regisseur Roman Polansky.
Die Dynamik der Diskussion um Skandal-Themen sei immer die gleiche. Zuerst meldeten sich die Kritiker. Doch das letzte Wort hätten dann immer die Befürworter.
Im Fall Sarrazin fragt sich mittlerweile ja keiner mehr, ob der alternde PR-Haudrauf nicht vielleicht doch mit dem einen oder anderen Punkt Recht habe. Und so kippt das Spiel in der Verlängerung zu Gunsten des Mannes, der uns ein Lehrstück über die Dynamik öffentlicher Debatten liefert.
Der Fall Sarrazin im ZDF Morgenmagazin
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Schlagworte: Analyse, PR Strategie, Wahljahr 2009
Dieser Beitrag wurde am Samstag 10 Oktober 2009 um 07:17 Uhr von Thomas veröffentlicht und unter News, Unterhaltung gespeichert. Sie können Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS 2.0-Feed verfolgen. Momentan ist weder das Kommentieren noch das Setzen eines Trackbacks möglich.


Das Traurige ist, dass es mit derlei Provokationen eine sichere Sache ist, so große Aufmerksamkeit zu erhalten.
Oder sagen wir lieber andersherum: Das wirklich Traurige ist, dass respektvoll formulierte und ausreichend differenzierte Kritik selten gehört wird.
Hätte sich Thilo Sarrazin in einer Weise geäußert, die seine Kritiker für angemessen halten würden, wäre es jetzt überhaupt kein Thema oder höchstens eine Randnotiz.
Im Musikgeschäft nutzen einige der erfolgreichsten Interpreten die Provokation und den Regelbruch, um aufzufallen. Und das wird belohnt.
In diesem Sinne: Don’t hate the player, hate the game!