Prominenten-Journalismus
Die fragwürdigen Methoden des BUNTE-Magazins
Am Donnerstag 4 März 2010 von ChristinaDer Auftrag lautete: Spähen Sie das Liebesleben von Politikern aus! Das Ziel: Enthüllungsgeschichten für mehr Auflage. Der Auftraggeber: Das BUNTE-Magazin. Die Opfer: Franz Müntefering, Oskar Lafontaine, Horst Seehofer – und wahrscheinlich noch mehr. Textberater.com mit einem Überblick zum aktuellen Medien-Skandal.
Präparierte Briefkästen und Fußabtreter, Teleobjektive mit Einblick ins Schlafzimmer, wochenlanges Ausspähen und Verfolgen – diese Methoden kennt man aus Hollywood, ob Kinofilme oder echte Paparazzi.
Doch scheinbar sind genau diese Methoden inzwischen auch bei deutschen Journalisten gang und gäbe – zumindest bei den Schreiberlingen des Boulevardmagazins BUNTE aus dem Verlagshaus Burda.
Im vergangenen Jahr “freute” sich die BUNTE scheinheilig über Franz Münteferings neue Liebe Michelle Schumann und titelte: “Schön, dass er wieder lachen kann”. Zum Lachen war Müntefering wohl eher nicht zumute, als nach dem ungewollten Liebes-Outing durch die BUNTE Medien und Öffentlichkeit nichts anderes mehr zu interessieren schien.
Im Juni 2009 beendete Müntefering auf einem SPD-Fest den Spießrutenlauf und bekannte, ja, es gebe sie, ja, er möge sie – und mehr gebe es dazu nichts zu sagen.
BUNTE: “Wir tragen damit zur Meinungsbildung bei”
Dass Münteferings neue Beziehung mit wochenlangen Späh-Methoden entlarvt wurde, hatte der stern Ende Februar enthüllt. Demnach soll das BUNTE-Magazin die Berliner Agentur CMK genau dazu engagiert haben.
In einer Pressemitteilung rechtfertigte BUNTE-Chefredakteurin Patricia Riekel ihre Praktiken mit dem Interesse der Öffentlichkeit: “Zu unserer journalistischen Aufgabe gehört durch Berichte über Politiker zur Meinungsbildung beizutragen…”
Doch mit den Grundsätzen des Journalismus, zusammengefasst im so genannten Pressekodex, hat wochenlanges Ausspähen und bewusstes Herbeirecherchieren privater Enthüllungsstorys nichts zu tun. Geltendes (Medien-)Recht ist, dass auch das Privatleben von Politikern in erster Linie deren Privatsache ist – so groß das Interesse von Medien oder der Öffentlichkeit auch sein mag.
Anders liegt der Fall, wenn Prominente ihre Zustimmung zum Beispiel zu einer Homestory geben und so Medien den Blick in ihr Privatleben gestatten. So geschehen mit Rudolf Scharping, ehemaligem SPD-Kanzlerkandidat, und seiner zweiten Frau, Kristina Gräfin Pilati – in BUNTE.
Private Skandalgeschichten vor allem über politische Prominenz erhöhen die Auflage. Also ist das Interesse an solchen Storys wohl vor allem beim BUNTE-Magazin selbst sehr groß.
BUNTE-Methoden mittlerweile Usus in Deutschland?
Die Berliner Agentur CMK, anscheinend zwischen Journalismus und Detektei angesiedelt, soll im Auftrag von BUNTE die Ausspähungen vorgenommen haben. Genau wie das Boulevardmagazin will aber die Chefetage nichts von den Tätigkeiten ihrer Mitarbeiter gewusst haben.
Doch Tatsache ist: Heutzutage arbeiten viele Medienmacher mit solchen Agenturen zusammen. Der stern, Aufdecker der aktuellen Späh-Kampagne der BUNTE, hat selbst schon mit CMK zusammengearbeitet. Allerdings ging es dabei lediglich um ein Bild von Michelle Schumann.
BUNTE, die sich inzwischen verfolgt fühlt, bezichtigt nun den stern, Nestbeschmutzer zu sein nach dem Motto: Wer zeigt da mit seinem schmutzigen Finger auf uns?
Aber wer soll zweifelhafte Methoden und schwarze Schafe aus der Medienbranche kontrollieren, wenn nicht andere Medien? Schließlich gibt es zwischen den vielen bunten Liebesgeschichten-Blättern auch noch solche mit anderen Inhalten.
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Schlagworte: Journalismus, Panne
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