Interview

“Eine Domain sollte einfach, kurz und passend sein”

Am Montag 19 Oktober 2009 von Christina
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Marcus Schäfer kennt die Faustformel für einen guten Domain-Namen

Ab 2010/11 soll es neue Domain-Endungen geben, wie zum Beispiel .paris oder .berlin, .bmw oder .gucci. Marcus Schäfer, Vorstandsmitglied bei der zentralen Vergabestelle für Internet-Domains, Denic eG, erwartet 100 bis 1.000 neue Domain-Endungen – aber nur 5 bis 10 Domain davon werden sich erfolgreich durchsetzen. Welche das sind, welche Möglichkeiten ein Unternehmen hat, um im wachsenden Domain-Dschungel unterzugehen und wie die Faustformel für gute Domain-Namen lautet erfahren Sie in unserem exklusiven Interview.

Herr Schäfer, ein Unternehmen hat einen Namen – und daraus ergibt sich dann die Internet-Adresse. Ist es wirklich so einfach?

Ja und Nein.

Bei großen und bekannten Unternehmen erwartet man natürlich das Unternehmen unter Firmenname.com und Firmenname.de zu erreichen.

Aber bei derzeit über 81 Millionen vergebenen .com-Domains und 13 Millionen vergebenen .de-Domains ist natürlich nicht automatisch der gewünschte Domain-Name verfügbar. Das ist nicht immer ein Problem, sondern kann auch eine Chance sein.

Viele kleinere oder spezialisierte Firmen sind im Internet unter beschreibenden Internetadressen oder ihren Produktnamen sehr erfolgreich vertreten, oft besser als mit ihrem eigenen gegebenenfalls langen Firmennamen oder einem angehängten „-online“.

Gibt es denn eine Faustformel für gute Domain-Namen?

Ja die gibt es bereits seit über 10 Jahren und unbeachtet vieler Moden ist sie bis heute gültig: Eine Domain sollte einfach, kurz und passend sein.

Konkret bedeutet das, dass der Domain-Name nicht länger als 10 bis 12 Zeichen sein sollte, maximal einen „-“ (besser keinen Bindestrich) enthalten darf und man ihn auf einem Anrufbeantworter hinterlassen kann, ohne ihn buchstabieren zu müssen.

Dabei sind die „bekannten“ und eingebürgerten Domain-Endungen wie .com und .de unbedingt vorzuziehen.

Ab 2010/11 soll es neue Domain-Endungen geben, wie zum Beispiel .eco, .paris, .berlin. Welche Vorteile kann das einem Unternehmen bringen? Und welche Kosten sind damit verbunden?

In Bezug auf den Erfolg der neuen Domain-Endungen bin ich eher zurückhaltend.

Die Erfahrung aus den ersten Einführungsrunden neuer Domain-Endungen (2001 bis 2003 waren das unter anderem .info, .biz, .aero und .museum) zeigt, dass sich von den neuen Domain-Endungen nur .info  ansatzweise behaupten konnte.

Eine .museum, .aero oder .biz gibt man bis heute nicht ein, um gezielt etwas zu finden, wie zum Beispiel einen Flug, einen Flughafen oder ein Museum. Lufthansa findet man unter Lufthansa.com und Lufthansa.de und nicht unter einer der „neuen Domain-Endungen“.

Man kann aus der ersten Einführung neuer Domain-Endungen vor ein paar Jahren lernen, dass der Internetnutzer weiterhin erwartet, ein seriöses und erfolgreiches Unternehmen unter .de – bezogen auf Angebote für den deutschsprachigen Markt – oder unter .com zu finden.

Wirkliche Alternativen konnten sich bis heute nicht durchsetzen, .eu ist jedoch auf einem guten Weg.

Von den etwa 100 bis  1.000 zu erwartenden neuen Domain-Endungen ab 2010/11 sehe ich nur 5 bis 10 Domain-Endungen, die das Potential haben, in einigen Jahren den gleichen Status zu erhalten wie die erfolgreichen Domain-Endungen .com international und .de für Deutschland.

Zu den erfolgversprechenden neuen Domain-Endungen gehören  meiner Ansicht nach .web oder .shop .

Somit kann ich Firmen nur empfehlen sich nur die wirklich guten Domain-Endungen für eine Registrierung auszuwählen und  sich von Ihrem Dienstleister / Ihrer Agentur dazu beraten zu lassen.

Die Preise für die Registrierung von Domain-Namen in den Einführungsphasen sind in letzter Zeit oft sehr hoch (siehe .mx und .tel), sinken dann aber nach der Einführung oft auf ein niedriegeres Niveau. Langfristig sollten daher die zusätzlichen Domains keine übermäßigen zusätzlichen Kosten verursachen.

Welche Möglichkeiten hat ein Unternehmen, um nicht in der wachsenden Zahl neuer Domain-Endungen unter zu gehen?

Es macht für viele  Unternehmen keinen Sinn, in allen bzw. allen neuen Domain-Endungen den eigenen Namen oder die eigenen Marken und Produkten anzumelden. Stattdessen sollte man eine einfache und präzise „Domain- und Markenstrategie“ entwickeln und diese konsequent durchhalten.

Der Effekt, sein Unternehmen unter vielen neuen Domain-Endungen zu präsentieren wie zum Beispiel den Blog unter Firma.blog, den Shop dann unter Firma.shop und die Webseite mit allgemeinen Informationen unter www.Firma.de, verwirrt eher die Nutzer und verwässert den Branding-Effekt.

Vielen unseren Kunden raten wir daher zu SubDomains, wie:

www.firma.de

blog.firma.de

shop.firma.de

oder einfache URLs unter einer Domain:

www.firma.de

www.firma.de/blog

www.firma.de/shop

bzw. die entsprechende  .eu und .com-Variante.

Wie sollte sich ein Unternehmen in Bezug auf die weltweit über 200 Länder-Domain-Endungen verhalten wie .at für Österreich, .es für Spanien etc.?

Sehr oft reicht es für viele Unternehmen, je nach Zielgruppe unter .de  und .com, alternativ unter .eu, erreichbar zu sein.

Für Markeninhaber und Unternehmen, die auch Inhalte in den jeweiligen Landessprachen anbieten, macht es Sinn, im jeweiligen Zielmarkt den Firmen- und Marken-Namen als Domain zu sichern und dort dann das Angebot in Landessprache darzustellen als unter Firma.es in spanisch und Firma.pl in polnisch.

Auch spezielle Marken-Domains soll es spätestens ab 2010/11 geben, zum Beispiel .gucci, .bmw oder .shell. Für wen lohnt sich die Investition in eine solche Brand-Domain?

Es sind aus meiner Sicht und Erfahrung nur wenige Unternehmen, die in Frage kommen, wirklich erfolgreich eine eigene TLD am Markt etablieren zu können. Denn so eine eigene Firmen- oder Marken-TLD ist mit mehreren hunderttausend Dollar für Beantragung und Realisierung nicht günstig. Auch die Folgekosten für den Betrieb pro Jahr sollten nicht unterschätzt werden.

Die nächste Frage ist, ob die Internetnutzer nach Einführung der neuen Domain auch wirklich .marke eingeben oder nicht wie gewohnt die nächsten 10 Jahre weiter marke.de und marke.com nutzen.

Hier sind langfristige Kommunikationsstrategien  gefragt: Der Internetnutzer muss quasi „umerzogen“ werden, damit er statt www.gucci.de oder gucci.com einfach nur www.gucci oder .gucci in seinen Browser eingibt. Und das wird nicht in wenigen Monaten möglich sein.

Mehrere Kunden aus dem DAX- und Dow Jones-Umfeld beraten wir bereits  zu diesen Fragen.

Gibt es Endungen, die für manche Unternehmen geeigneter sind als andere? Zum Beispiel aus technischer Hinsicht?

Ja, große Registrierungsstellen für .de .com  mit mehreren Millionen registrierten Domains investieren i.d.R. sehr viel Geld in die Sicherheit und Erreichbarkeit ihrer Systeme und damit der Domain-Namen.

So sind längere Ausfälle bei den großen und bekannten Registrierungsstellen aus den letzten Jahren nicht bekannt.

Die Rechtssicherheit spielt auch eine wichtige Rolle bei der Wahl einer Domain-Endung.

Wenn Sie mit einer XY Domain gegebenenfalls dem Recht eines fremden Landes unterliegen und so nur aufgrund eines einfachen Einspruches Ihre Domain stillgelegt wird, kann das ein mehrjähriges Investment in einen vermeintlich guten Domain-Namen in wenigen Tagen zunichte machen.

Die  Prozeduren bei .de im Besonderen aber auch die internationalen Regelungen zu .com sind rechtlich geprüft. Hier finden Sie bei Problemen auch kompetente Anwälte und Firmen – so genannte ICANN Registrare / DENIC eG Mitglieder etc. – die Sie fachkundig begleiten.

Was viele Unternehmer nicht wissen: Auch in der Welt der Domains gibt es einen Second-Hand-Markt. Wie funktioniert dieser „Gebrauchthandel“ und für welche Unternehmen kann er sich lohnen?

Wenn die gewünschte Domain nicht mehr frei ist bedeutet das nicht, dass man sie nicht doch erhalten könnte. Wir haben gerade für eine renommierte Verlagsgruppe den Firmenname als vierbuchen Domain unter der Endung .com sehr günstig erwerben können.

Verglichen mit einem Rechtsverfahren im Ausland kann der Ankauf einer Domain über eine Agentur oder einen Dienstleister schneller und teilweise auch günstiger zum Ziel führen.

Auch hier rate ich, nur geläufige Domain-Endungen auf dem so genannten „secondary Domainmarket“ zu kaufen.

Was ist der skurrilste Domain-Name, an den Sie sich erinnern können?

meinedomainistlaengeralsdeinedomain.de

und

meinedomainistnochviellaengeralsdeinedomain.de

Zu Marcus Schäfer, Hostserver GmbH und Denic eG

Marcus Schäfer ist Geschäftsführer der Hostserver GmbH, Geschäftsführer der UnitedSSL Deutschland GmbH und Mitglied im Vorstand der Denic eG, der zentralen Vergabestelle für Internet-Domains der Endung .de. Bei Fragen erreichen Sie Herrn Schäfer u.a. via Xing

Die Hostserver GmbH bietet Unternehmen und Web-Agenturen Domainregistrierungen weltweit, Domainportfolio Management sowie hochverfügbare und redundante Nameservices an. Weitere Informationen finden Sie unter www.hostserver.de

Die Denic eG ist die genossenschaftlich organisierte zentrale Vergabestelle für Domains unter der Domain-Endung .de. Sie betreibt die zentralen Datenbanken, die Registrierungs-Infrastruktur und ein weltweites Netz von Nameservern für eine optimale Erreichbarkeit der .de Domain-Namen. Mit seinen Mitgliedern stellt die Registrierungsstelle die technische Erreichbarkeit von über 13 Millionen de.-Endungen sicher und ist zusammen mit China die größe Registrierungsstelle für Länderdomainendungen der Welt. (ccTLD). Weitere Informationen unter: www.denic.de

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1 Kommentar zu ““Eine Domain sollte einfach, kurz und passend sein””

  1. Webhosting sagt:

    Ein kurzes aber dennoch schöner Hype um die neue Domain Registrierung der zeigt, dass der deutsche Hosting Markt noch nicht gesättigt ist. Was für ein Spektakel ;-)