Meinung

FAZ: Krise macht Journalisten kritischer gegenüber PR

Am Montag 16 November 2009 von Thomas

Im FAZ-Blog ist Carsten Knop der These nachgegangen, inwieweit die Medienkrise Redakteure wirklich anfälliger für PR macht. Seine Theorie: Das Kräfteverhältnis zwischen Journalisten und PR-Branche verschiebt sich nicht. Textberater.com fragt sich, ob Knop damit PR verbreitet.

„Die Qualität des Journalismus sinkt nicht“, so Knop, auch wenn Deutschlands Medien unter sinkenden Anzeigenumsätzen und Arbeitsplätze in Redaktionen und Verlagsabteilungen abgebaut werden.

Auf PR-Seite werde nämlich auch gespart. Daher verschiebe sich auch das Kräfteverhältnis nicht zugunsten der PR.

Kernthese:
„Tatsächlich wird es für PR-Abteilungen in der Krise in vielen Fällen sogar schwieriger ihre Botschaften mehr oder weniger ungefiltert in die Presse zu bringen.“ Einerseits seien die Leser sensibler für abgeschriebene Pressemitteilungen geworden. Andererseits seien die Journalisten auch unter Druck, ihre Deutungshoheit über die Nachrichtenlage zu verteidigen.

Textberater.com meint: Nette Theorie von einem, der mit praktischen Zahlen und Beispielen argumentieren müsste.

Welche Zeitung hat Knop gerade durchgeblättert, als Spiegel TV eine Tochterfirma für bezahlte Unternehmens-Filmchen gründete?

Außerdem scheint Knop entgangen zu sein, dass ausgerechnet FAZ.net eine Ad Hoc-Sparte präsentiert, in der Unternehmen direkt Meldungen verbreiten. So etwas hätte es in der Zeitung der 90er Jahre doch nicht gegeben.

Es wäre allerdings auch schlechte PR für die Verlage, wenn Knop solche Tendenzen richtig bewerten würde.

Doch auch beim Zahlenwerk hat Knops These Schwächen, schon allein deswegen, weil er keine Zahlen präsentiert. Dabei wäre es doch mal interessant zu erfahren, wie viele mehr oder weniger neue Online-Portale kleine Meldungen umschreiben – die meist von Pressestellen direkt eingeschickt werden.

Außerdem: Die Einschätzung, dass auf PR-Seite ebensolcher Sparzwang herrsche wie auf der Seite der Journalisten, wird jedenfalls durch verhalten optimistische Branchenmeldungen aus der PR widerlegt.

Also was ist dran an der Verschiebung der Kräfteverhältnisse von Journalismus und PR?

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