Aufgelesen

Freitag: “Lasst Blogs verrecken”

Am Montag 2 November 2009 von Thomas

Das andere Meinungsmedium, Jacob Augsteins Freitag, schwingt eine provokante These: Blogger seien werbetreibende Laien-Schreiber ohne Perspektive. Textberater.com mit einem missglückten Argumentations-Versuch.

Nicht nur, dass sich die Blogosphäre am liebsten mit sich selbst beschäftigt, sie redet auch immer wieder und wieder über das gleiche Thema. Mit anderen Worten, aber keinen neuen Ideen. (Quelle: Freitag hier )

Die Perspektivlosigkeit habe sich im Internetmanifest bestätigt. Außerdem sieht der Freitag auch keine Aussicht, dass sich Blogs zu kleinen Zeitungen mausern werden. Ebensowenig glaubt der Autor an ein griffiges Vertriebsmodell für Werbe-Finanzierung von Blogs.

…den hole der Markt

Es gibt sehr viele Dinge, die man tun könnte, wenn man denn wirklich professionell aus einem Blog heraus arbeiten möchte. Es wird aber weder getan noch wirklich diskutiert. Man wartet, was kommt und hofft, dass sich dann alles weiterentwickelt und dabei das goldene Ei für einen selbst gelegt wird. (Quelle: Freitag hier )

Doch das goldene Ei werde derweil schon woanders verteilt. Die einstige „Verkündungsmacht“ der Blogger gehöre jetzt Twitter oder Facebooks.

Wer das nicht verstehe oder nicht verstehen wolle, „den hole der Markt“.

Textberater.com meint: Wenn Journalisten über Blogger schreiben… Nur weil kein Verlag das Gehalt monatlich überweist, ist man als freier Internet-Publizist noch kein schlechter Schreiber.

Mal ein Beispiel. Textberater.com mit seinen knapp 20.000 Besuchern pro Monat hat sicherlich nicht die Reichweite eines Massenmediums – aber auch nicht die beliebige Zielgruppe.

Wenn wir als PR-Magazin auf Wordpress-Basis eine Story über Jack Wolfskins Abmahn-Wahn ausgraben und Spiegel Online zwei Tage später damit die journalistischen Lorbeeren einheimst, ist das trotzdem ein Erfolg für uns.

Wer weiß, wann Spiegel Online und anschließend die übrigen Verlagsmedien ohne unseren Artikel auf das Thema aufmerksam geworden wären. Doch als die ersten 12 Kommentare zu dem Thema auf Textberater.com aufschlugen wurde auch den Journalisten klar, dass es da was zu erzählen gibt.

Und das im Freitag kritisierte ewig gleiche Themen-Spektrum der Blogosphäre: Da ist sicherlich was dran. Allerdings haben die Verlagsmedien da auch ihre Wiederholungs-Rolle bis zum Erbrechen gespielt.

Wenn sich jeder Journalist einmal in seinem Leben fragt: „Was ist da eigentlich los in so einem Internet-Blog?“ und darüber einen Artikel schreibt, dann ist man natürlich irgendwann satt was diese Themen betrifft.

Jetzt wird’s persönlich: Der Freitag-Artikel beweist, dass die Muster-Karriere des Journalisten über Desillusionierung in die Verbitterung führt. Die gedungenen Auftrags-Schreiber wollen einfach nicht wahr haben, dass es Menschen gibt, die gerne Geschichten kostenlos im Internet veröffentlichen.

Mehr zum Thema:
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2 Kommentare zu “Freitag: “Lasst Blogs verrecken””

  1. Wen da der Markt holen kommt, sollte man sich in der Tat fragen. Wenn die im Vergleich mit Print unterirdischen Werbepreise irgendwen finanzieren können, dann sind es die Blogger.

    Sehr schlanke Strukturen (wenn überhaupt von einer Struktur gesprochen werden kann, viele Blogs haben ja auch nur einen einzelnen Autor) und oft sehr fokussierte Themenbereiche.

    Immerhin AOL hat das Potenzial erkannt und betreibt mehrere Dutzend Blogs.

    Was fehlt, sind Vermarkter, denen es gelingt, diese oft sehr reizvollen Werbeflächen in Qualitäts-Blogs stimmig zu vermarkten.

    Die angesprochenen 20.000 Besucher sollten für ein Fachblog zu PR-Themen doch ein interessanter Wert sein. Würde man die Texte auf Papier drucken und 20.000 Leser für die Printausgabe haben, würde doch niemand sagen, dass es zu wenige Leser wären.

  2. M.M. sagt:

    Kurze Facebook-Antwort: Gefällt mir!