Dreck am Stecken

Hätte ein guter PR-Berater Wulff retten können?

Am Montag 9 Januar 2012 von Thomas

Hätte eine bessere PR-Beratung Christian Wulff aus der Affäre ziehen können? Die Fachwelt ist gespalten. Textberater.com legt sich fest.

Die PR-Experten der Nation sind sich immerhin so weit einig: Wulff macht keine gute Figur im von ihm ausgerufenen Krieg mit den Medien. In der FAZ ließen sich gleich mehrere PR-Experten über die Causa Wulff aus mit schlauen Tipps und beispielsweise dem Hinweis, dass ein Hochwasser ihn retten könne.

Die Logik der Argumentation ist einfach aber falsch. Auch Riesen-Themen hatten bislang keine Chance gegen die vor allem im Online-Journalismus angeheizte Wulff-Hetze. Weder der Niedergang der Freien Stolpertruppe „FDP“ konnte das Thema Wulff ablösen. Weder hatten Weihnachten, Bölleropfer zu Sylvester, die beiden schweren Stürme im Januar noch der Bruch der saarländischen Regierung eine Chance.

Der „PR-Blogger“ Klaus Eck ist sich dann auch nicht zu schade, 11 Tipps aufzuschreiben, wie man aus einem Wulff doch noch einen Bundespräsidenten machen könnte. Auch Medienrechtler Huff weiß und schreibt im Legal Tribune, dass man als Bundespräsident besser den Pressesprecher einspannt für Drohanrufe in Cheredaktionen. Klaus-Peter Schmidt-Deguelle lässt sich im Cicero zitieren, dass die Krisenkommunikation unter seiner Regie besser weil schneller gewesen wäre.

Und auf Horizont.net lassen sich gleich mehrere Köpfe aus der deutschen Agenturlandschaft darüber aus, dass Salamischeiben nichts sind fürs Schinkenbrot, dass man auf keinen Fall zum „Getriebenen“ werden dürfe in der Krisen-PR und dass man sich von den „derzeit angesagten“ Shitstorms im Social Web auch nicht sofort einschüchtern lassen darf.

Performance sei „heute sehr wichtig“ und man müsse verstehen, wie man mit PR-Krisen umgeht, so Thomas Knipp in den Tagesthemen. PR-Professor Thomas Pleil sieht übrigens keine Chance mehr auf ein kommunikatives Comeback und rät Wulff zum Rücktritt.

Also: Hätte oder hätte nicht? Nun, ein guter PR-Berater hätte Wulff bereits im Aufkeimen der Debatte um seinen komischen Privatkredit langfristig vorbereitet. Da legt man sich halt mal ein Krisen-PR-Paket in die Schublade, dann muss man auch nicht überstürzt auf irgendwelche Mailboxen schimpfen.

Wulff wusste, dass Journalisten die Einsicht ins Grundbuch beantragt und eingeklagt hatten. Eine Chancen-Risiken-Analyse hätte vermutlich dazu geführt, dass zwischen PR-Berater und Christian Wulff folgender Satz gefallen wäre: „Christian, am besten, du bleibst in Hannover.“ Zum Amt eines Ministerpräsidenten gehört Dreck am Stecken irgendwie dazu. Sogar als Kanzler darf man schwarze Kassen verschweigen – Politiker eben.

Für einen Bundespräsidenten gibt’s aber keine Punkte; egal, wie gut man schwindeln, lügen, verschweigen oder taktieren kann. Man erklärt sich nicht. Diese Grenze hatte Amtsvorgänger Horst Köhler gradlinig gezogen: Der Bundespräsident steigt nicht ein in die Krisen-PR.

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