Image-Dekonstruktion

Jack Wolfskins Abmahn-Wahn: Konkurrenten lachen auch

Am Dienstag 20 Oktober 2009 von Thomas

Die Kleinen unter Beschuss, der Große unbeirrt: Jack Wolfskin auf Tatzen-Jagd

Die Kleinen unter Beschuss, der Große unbeirrt: Jack Wolfskin auf Tatzen-Jagd

Noch immer verteidigt der Outdoor-Ausstatter Jack Wolfskin seine Abmahn-Strategie, die derzeit vor allem kleine und teils unbekannte Modelabels trifft. Doch der Rechtskampf der ungleichen Gegner lässt jetzt auch die Vertriebspartner umdenken – zur Freude der Konkurrenz.

Alles was einer Tatze ähnelt und wenigstens entfernt mit Mode zu tun hat, wird abgemahnt: Nachdem auch die großen Medien wie Spiegel Online die Abmahn-Story Jack Wolfskins aufgenommen haben, zieht der Fall weite Kreise.

Wolfskin droht weiter

Zwar verteidigt der Outdoor-Ausstatter sein Vorgehen unbeirrt. Man habe bei den kleinen Handarbeiter-Marken sogar darauf geachtet, “die Kosten möglichst gering zu halten”, sagt eine Wolfskin-Sprecherin. Immerhin sind knapp 1.000 Euro fällig, sobald ein Katzenpfötchen eine Kinderkollektion ziert.

Und überhaupt diene so eine Abmahnung der schnellen und relativ kostengünstigen Beendigung der Angelegenheit – eine klare Drohung an die Pfoten-Kollegen. Doch wie kostengünstig die Sache für Jack Wolfskin ausgehen wird, wird sich erst in den nächsten Quartalszahlen zeigen.

Enormes Medien-Echo

Hunderte Artikel in Medien, noch mehr Blogeinträge. Und die ersten Treffer in der Google-Suche gehören auch schon den Wolfskin-Kritikern. Die rücksichtslose Abmahn-Strategie geht bereits über ein PR-Desaster hinaus.

Einerseits denken die Konsumenten um. Kommentare beispielsweise zu Artikeln auf Textberater.com sind da mehr als deutlich: Man werde keine JW-Klamotten mehr kaufen.

Händler distanzieren sich

Firmen rufen JW-Jacken von ihren Geschäftspartnern zurück, die sie ihnen als Geschenk geschickt hatten. Andere rufen dazu auf, die Logos von der Outdoor-Kleidung zu entfernen.

Und jetzt denken auch die Händler um. O-Ton eines Mitbewerbers von Jack Wolfskin: Die Anwaltskanzlei Harmsen Utescher hat uns der Himmel gesendet, nie hatten wir so viele Anfragen wie heute und das von Zwischenhändlern die seit Jahren von Jack Wolfskin beliefert wurden. Bei denen hätten wir sonst nie einen Fuß in die Tür bekommen.

Die Marken-Arbeit kommt erst noch

Jack Wolfskin hat sich ein teures Problem aufgehalst. Das Image der Marke war nie Thema – verwunderlich. Beweist doch die Zielgruppe mit ihren Vorlieben für Natur überdurchschnittlich viel ethische Veranlagung und soziales Engagement.

Wer die Natur liebt, der schätzt auch faires Geschäftsgebahren. Doch in der Hinsicht musste Jack Wolfskin nie einen Finger rühren. Als beispielsweise Stiftung Warentest das Thema faire Produktion für einen Vergleichstest recherchierte, verweigerte JW die Auskunft.

So einfach wird die PR künftig nicht mehr sein. Der Rückkampf um das Vertrauen der Kunden wird Jahre dauern. Die lachende Konkurrenz wird so schnell nicht wieder aus den Läden der Vertriebspartner verschwinden. Und die bislang irgendwie cool wirkende Tatze im Logo wird nie wieder so schön werden, wie sie einst war.

Mehr zum Thema:
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11 Kommentare zu “Jack Wolfskins Abmahn-Wahn: Konkurrenten lachen auch”

  1. ALF sagt:

    Obwohl ich ein Outdoor-Ausrüstungs-Freak bin, meide ich Jack Wolfskin Produkte wo immer möglich, weil überall diese hässliche Tatze draufgdruckt ist.

    Manche Hersteller, es gibt noch schlimmere, schaffen es mit Ihrem Label, ansonsten brauchbare Produkte, untragbar zu machen.

    Bei anderen kann man die Labels wenigstens mit der Schere ablösen.

  2. [...] in zahlreichen Kommentaren heißt es, auch Händler würden jetzt umdenken. So zitiert Textberater.com einen Wolfskin-Mitbewerber mit den Worten: „Die Anwaltskanzlei Harmsen Utescher hat uns der [...]

  3. Michael sagt:

    Die Frima Jack Wolfskin hat bereits im November 2007 in der Schweiz in letzter Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht einen Prozess um Markenschutz verloren:
    http://relevancy.bger.ch/pdf/azabvger/2007/b_00789_2007_2007_11_27_t.pdf

  4. Katrin sagt:

    Es spricht Bände, dass die Sprecherin der Firma gegenüber dem Spiegel nicht mehr war als die Assistentin der PR- Damit ist die Gewichtung klar, die JW dem Thema gegeben hat. Ob die Firma immer noch so denkt – unwahrscheinlich…

  5. Der Flieger sagt:

    Jack Wolfskin Teil 2 – Die Folgen…

    tweetcount_url=”;tweetcount_title=”;tweetcount_src=’RT @DerFlieger’;tweetcount_background=’822601′;tweetcount_text=’FFFFFF’;tweetcount_api_key=’R_1afe043bd29bf5d1bae067722592e3ae’;Ob die Verantwortlichen von Jack Wolfskin ahnen, dass sie …

  6. [...] Wolfskin eröffnet den Abmahn-Herbst schreibt der Werbeblogger, und auch die Konkurrenz lacht über Jack Wolfskin verkündet der [...]

  7. Thomas sagt:

    @herrlarbig,

    der Link geht nicht, aber der: http://herrlarbig.de/

    Kant, Aufklärung, Web 2.0 – Respekt!

  8. herr larbig sagt:

    Und nach wie vor stellt sich die Frage, ob die Unternehmen das grundsätzliche Problem einer Unternehmenskommnunikation in Zeiten des Web 2.0 erkennen oder völlig überrascht sind, wenn das Desaster erst einmal Einzug gehalten hat.

    Philosophische Überlegungen zum Thema unter http://bit.ly/4EVlw6

  9. Susan sagt:

    Da hat sich Jack Wolfskin ein schönes Ei gelegt! Bravo!

    p.s. Wo kann ich mich bewerben, wenn die ganzen Stellen in der Marketingabteilung bei JW frei werden?

  10. [...] This post was mentioned on Twitter by my-meerkat, Roland Binz. Roland Binz said: Image-Dekonstruktion – Jack Wolfskins Abmahn-Wahn: Konkurrenten lachen auch http://bit.ly/1F9NVN [...]

  11. Roland Binz sagt:

    Jack Wolfskin ist ein gutes Beispiel mehr dafür, wie wichtig es wäre, nicht nur Juristen anzuhören, sondern auch mal Kommunikationsprofis in die Vorgehens-Strategie einzubinden. Bald wird der Fall auch in den konventionellen Medien seine Kreise ziehen – oder in JW-Sprache übersetzt: seine Spuren hinterlassen! Und JW wird nicht umhin kommen, früher oder später zurückzukrebsen. Wie so oft, wird die Einsicht eher zu spät reifen…