Aufgedrückte Regeln

Kampf um Glaubwürdigkeit: PR-Branche will Blogger entmachten

Am Samstag 10 Oktober 2009 von Carl

In den USA gibt es schon handfeste Regeln für werbende Blogger. In Deutschland versucht die PR-Lobby sich in ähnlichen Vorstößen. Textberater.com mit einem Kommentar über verständliche, aber verdeckte Interessen.

Die deutsche PR-Branche will von 2010 an Schleichwerbung in den Blogs öffentlich anprangern, meldet die WirtschaftsWoche.

Deutsche Blogger seien mitunter auch käuflich und rezensierten ihnen kostenlos zur Verfügung gestellte Produkte im Zweifelsfall zu löblich, sagt Falk Lüke, Referent für die digitale Welt beim Bundesverband der Verbraucherzentrale.

Kodex soll Ethik bringen

2010 sollen solche schwarzen Schafe öffentlich angeprangert werden. Außerdem ist ein Verhaltenskodex für PR-Agenturen, Blogger, soziale Netzwerke und Unternehmen bis Ende 2009 angedacht.

Textberater.com meint: Kommt nett daher, ist jedoch eine klare Kampfansage im Krieg um Lesergunst. Die PR-Branche und die Medien sehen in den Bloggern noch immer Konkurrenten – vor allem, wenn es um Glaubwürdigkeit geht.

Der Konflikt ist auch nicht von der Hand zu weisen. Im Kampf um das Vertrauen der Leser ergeben unterschiedliche Studien unterschiedliche Ergebnisse. Die einen sehen klassische Medien in Sachen Vertrauenswürdigkeit vorn. Andere belegen den wachsenden Einfluss der Web 2.0 Szene.

Freiwillig oder Zwang

Die Strategie hinter den edlen Zielen wird nur unterschwellig deutlich. Die Bindung an ethische Kodizes ist zwar in Medien und PR Usus. Doch die Initiative zu solchen Regeln kam stets aus den jeweiligen Branchen.

Es wäre der PR-Lobby doch nie und nimmer eingefallen, sich Regeln für saubere Redaktions-Arbeit auszudenken.

Genauso wenig hätten die Medien ein Papier erarbeitet, in denen sie die Anforderungen an gute PR propagierten.

Beförderung mit schlechter Währung bezahlt

Der Vorstoß verfolgt das Ziel, Blogger und Internet-Publizisten in den Kreis der PR und Verlage zu zerren. Der auf den ersten Blick als Beförderung erscheinende Schritt, könnte den Bloggern das 2.0-Image kosten.

Die freundlichen Empfehler von Nebenan werden so von der Seite der Leser auf die Seite der Publizisten geschoben, spielen dann also in einer neuen Mannschaft – allerdings nicht mehr als Stürmer, sondern auf der Ersatzbank.

Die Strategie der Übernahme durch aufgedrückte Regeln hat gute Aussichten auf Erfolg. Unwahrscheinlich, dass sich die im Machtkampf unerfahrenen Blogger der Sauber-Rethorik entziehen können.

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