Datenklau, Drama, Dauerproblem
Nach Hacker-Selbstmord: VZ erneut in der Kritik
Am Sonntag 8 November 2009 von ThomasKompromittierende Recherchen des Spiegel: Offenbar hat der Technikchef der VZ-Netzwerke nachweislich ein Schweigegeld angeboten, wenn der mutmaßliche Datenräuber seine Informationen übergeben hätte. Außerdem hätte der junge Mann wegen einer bekannten Persönlichkeitsstörung nicht in Einzelhaft gesteckt werden dürfen. VZ hat in den letzten Wochen selbst dafür gesorgt, dass aus einem Datenklau ein Selbstläufer für schlechte Nachrichten wurde.
Das würde die Behauptungen des Anwalts des jungen Mannes bestätigen. Vor knapp einer Woche hatte VZ die Behauptungen des Anwalts noch entschieden zurückgewiesen. Textberater.com berichtete.
Doch laut einem dem Spiegel vorliegenden Chat-Protokoll hatten VZnet und der 20-jährige mehrere Tage lang über die Rückgabe der Daten verhandelt.
„Das darf uns auch was kosten“
VZ habe selbst mehrfach das Thema Geld angesprochen. Würden die Daten nicht an die Öffentlichkeit gelangen so dürfe “uns das auch was kosten“.
An anderer Stelle schrieb der Technikchef “du – und andere können bei uns rumhacken wie sie wollen. ich bezahl euch sogar gerne dafür!“ Unter einer Bedingung: “wenn ich jemanden dafür bezahle, möchte ich, dass das nicht public wird“.
Außerdem schrieb der Hacker in der Konversation, dass er keine kriminellen Ziele verfolgt habe. „Das war’n just4fun projekt“.
VZ bezahlte Taxirechnung für Anreise
Brisant wird die Sache jetzt, da der Hacker offenbar kooperieren wollte. Er nannte laut Spiegel seinen Namen und seine Anschrift und willigte ein, in die Berliner VZnet-Zentrale zu kommen. Dafür zahlte VZ auch die Taxirechnung von 530 Euro.
Der mutmaßliche Hacker wurde dann in den Räumen von VZ verhaftet und längere Zeit in Einzelhaft gesteckt.
Das wirft auch Fragen an die Justiz auf. Laut Spiegel-Bericht sei aktenkundig gewesen, dass der Hacker unter einer “kombinierten Persönlichkeitsstörung” litt. Heißt: Der Mann hätte unter Aufsicht gestellt werden müssen. Doch etwaige Selbsttötungsabsichten hatte die Berliner Justiz laut eigenen Angaben nicht ausmachen können.
Der 20-jährige Datenklauer aus Erlangen hatte sich in seiner Zelle erhängt.
Textberater.com meint: Bei aller Tragik des Falls; VZ hat diese PR-Krise selbst verschuldet. Erstens war schon zum Zeitpunkt der Verhaftung klar, dass VZ in Kontakt mit dem Hacker gestanden hat. Doch obwohl ein VZ-Mitarbeiter im Blog des Hackers bereits Kommentare mit Kontakt-Adressen hinterlassen hatte, wurden Verbindungen zu dem Mann nicht offen gelegt.
Zweitens: Die Informations-Politik von VZ macht einen einst harmlosen Datenklau zum Dauerbrenner für schlechte Schlagzeilen. Jedes Mal, wenn etwas zum Fall bekannt wird, bekommt VZ unwillkommene Presse. Jeder halbwegs vernünftige Krisen-Manager hätte sofort ein umfassendes Info-Paket gerschnürt und wenn schon nicht veröffentlicht, dann doch möglichst unter Auflagen die Medien eingeweiht und zumindest den VZ-Boss davon abgebracht, gefährlich nach Vertuschung riechende Aussagen zu veröffentlichen.
Dazu kommt, dass die Verlagsmedien immer nur die Infos weitertragen, die sie von den Beteiligten bestätigt bekommen oder beweisen können. Heißt: Statt mit einem großen Knall, kämpft SchülerVZ jetzt mit investigativen Tröpfel-Meldungen. Ergebnis: Zu allem Überfluss steckt VZ damit auch noch im Fokus der Tiefschürfer von Spiegel.
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Schlagworte: Internet-Recht, PR-Affäre, Web 2.0
2 Kommentare zu “Nach Hacker-Selbstmord: VZ erneut in der Kritik”
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