Bitter
Netzeitung bleibt, alle Mitarbeiter gehen
Am Freitag 6 November 2009 von ThomasDas Kölner Verlagshaus M. DuMont Schauberg gibt seiner “Netzeitung” den Gnadenstoß. Das vor knapp 10 Jahren als coole Alternative gestartete Nachrichten-Projekt hatte seine große Zeit, konnte sich im geschäftlichen Hin und Her der letzten Jahre jedoch nicht konkurrenzfähig halten.
Es sind uncoole Zeiten, in denen sich die betriebswirtschaftliche Spreu vom Weizen verabschiedet. Und es waren schlimme Zeiten, in denen Netzeitung.de plötzlich relevant war.
Am 11. September 2001 kam der Durchbruch für Netzeitung. Waren es vorher tausende Leser gewesen, tummelten sich plötzlich Millionen Leser, die das Neueste über die Anschläge auf das World Trade Center erfahren wollten.
Vom Innovator zum Altpapier
Das Konzept, News und journalistische Inhalte direkt und für alle im Web zu bringen, war damals noch in der Diskussions-Phase. Tageszeitungen hatten um die Jahrtausendwende noch Nachrichten für den kommenden Tag „aufgehoben“, damit sie zuerst in der Zeitung stehen konnten.
Der Bekanntheits-Sprung echote dann ein paar Jahre nach. Bewegte Jahre: Netzeitung wechselte so oft den Besitzer, dass man allein um die Verlags-Namen zu erfassen schon einen ganzen Artikel schreiben müsste – den gibt es hier.
Vielleicht hätte sich einer der vielen Besitzer mal etwas mehr Zeit für einen inhaltlichen und technischen Relaunch nehmen sollen. Von Web 2.0 – oder nennen wir es Mitmach-Journalismus und Video keine Spur, scheint die letzte Netzeitung-Innovation die Einführung von Bildergalerien gewesen zu sein.
Und auch in Sachen technischer Basics wurde offenbar viel geschludert. Bei Google News tauchte Netzeitung zu großen Themen so gut wie nie auf – eigentlich unerklärlich, so viel Text wie die Kollegen täglich produzierten.
News-Crawler bleibt
DuMont hatte die erste Zeitung, die es nur im Internet gab, erst im April 2009 gekauft. Aus wirtschaftlichen Gründen werde “das bisherige Konzept einer Internetzeitung mit eigener Redaktion” zum 31. Dezember 2009 aufgegeben, so das Kölner Verlagshaus in einer Mitteilung. Der Betriebsrat erhebt schwere Vorwürfe über falsche Versprechen, wie Spiegel.de berichtet.
In der Mitteilung, durch die offenbar die Netzeitungs-Redaktion erst von dem Schritt erfahren zu haben scheint, heißt es weiter: “Wir bedauern die für die Mitarbeiter mit der Entscheidung verbundenen Härten. In der derzeitigen Form ist die Internetzeitung wirtschaftlich aber nicht zu betreiben.”
Jetzt plant der Verlag eine automatisierte Nachrichten-Seite unter dem Namen.
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Schlagworte: Internet-Publikationen, Journalismus, nachhaltige Kommunikation
2 Kommentare zu “Netzeitung bleibt, alle Mitarbeiter gehen”
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