Trotz Werbemarkt-Krise:

Paid Content hat keine Zukunft im Web

Am Mittwoch 24 März 2010 von Christina

Der Werbemarkt schwächelt, Anzeigen online bringen viel weniger Geld als im Print oder TV und spezielle Programme verhindern die Einblendung von Online-Werbung beim User. Die seit Jahren diskutierte Alternative heißt: Paid Content, also für Inhalte bezahlen. Nach wie vor ein aussichtsloses Vorhaben.

Dabei gibt es gute Gründe, weshalb Medien ihr Online-Angebot kostenpflichtig machen müssten, wie Frank Patalong hier in einem ausführlichen Artikel auf spiegel online darlegt. Eine Zusammenfassung der relevanten Fakten:

  • Der seit Jahren schwächelnde Werbemarkt ist durch die Finanzkrise regelrecht kollabiert, deutsche Zeitungen verzeichneten 2009 ein Minus an Werbe-Einnahmen von 13 Prozent.
  • Medien müssen sich folglich zunehmend aus Verkaufs- und Vertriebserlösen statt aus Werbeumsätzen refinanzieren – das heißt, sie werden teurer. Das stört naturgemäß die Kundschaft, etliche kaufen das teurere Medien-Produkt nicht mehr und es bleibt noch weniger in der Kasse. Für US-amerikanische Zeitungen bedeutete das 2009 ein Umsatzminus von insgesamt 26 Prozent, in einem Jahr wohlgemerkt.
  • Medien müssen angesichts der einbrechenden Umsätze Geld sparen, zum Beispiel durch Stellenabbau: 2009 gaben US-Medien 1,6 Milliarden Dollar weniger für Redaktionen aus als vor zehn Jahren. Das bedeutet für die Leser, dass die ihnen angebotene Qualität der Inhalte leidet, und für Journalisten, dass immer mehr von feste in freie, oft prekäre Beschäftigungsverhältnisse wechseln müssen.
  • Immer weniger Werbe-Budget wird für Offline-Medien verplant (Zeitungen, Zeitschriften, Radio, TV) und immer mehr für Online-Medien. Trotz größerer Reichweite ist Online-Werbung aber um einiges günstiger. Das bedeutet, Herausgeber von Inhalten im Web erhalten immer weniger Geld.
  • Die Hauptnutznießer von Werbung online sind nicht die “Produzenten” von Inhalten, also Medien, sondern die “Sprachrohre” dieser Inhalte, also Dienstleister: 42 Prozent der weltweiten Online-Werbeumsätze fließen allein Google zu.
  • Online-Medien sind nicht einfach nur ein neues Medium im Angebot, sondern haben das Potential, alte Medien zu ersetzen, und tun dies zunehmend auch: Insbesondere Tageszeitungen verlieren immer mehr Leserschaft an News-Web-Seiten.
  • Immer mehr User verhindern mittels spezieller Software, dass Werbung bei ihnen ankommt, so genannte Werbeblocker. Dadurch erzielt eine Online-Redaktion nicht die mit dem Werbekunden vereinbarte Reichweite (die klassische Währungseinheit für Online-Werbung) – und erhält folglich weniger Geld. Dabei hängt die Refinanzierung von Online-Inhalten fast vollständig von Online-Werbung ab, es gibt kaum andere Erlösquellen. Deshalb arbeiten die meisten Online-Medien defizitär, also mit Umsatz-Minus.

Die Konklusion aus all diesen Fakten lautet Patalong zufolge: Online-Inhalte werden bald nur noch gegen Geld angeboten (Paid Content). Das Problem dabei ist: Das kommt beim User nicht an.

So gut wie alle Marktforscher kommen zu dem Ergebnis, dass nur wenige Nutzer Paid Content akzeptieren würden. Forsa, PEW, die Gesellschaft für Konsumforschung oder Nielsen ermitteln zwischen 7 bis 16 Prozent zahlungsbereite User.

Die Lösung? Patalong drängt auf einen Bewusstseinswandel: Du, User, erhältst kostenfreie, qualitativ hochwertige Inhalte, wenn wir, die Anbieter, dir mit Werbung kommen können, ohne dass deine Programme Anzeigen blockt. Also so wie bei Fernseh-Werbung bzw. GEZ-Gebühren – man akzeptiert es.

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4 Kommentare zu “Paid Content hat keine Zukunft im Web”

  1. Volker Hübsch sagt:

    Warum wird immer wieder der Gleiche Unsinn nachgebetet? Um den Entscheidern in den Redaktionen nach dem Mund zu reden?

    Selbstverständlich sind User bereit, einen angemessenen Preis zu zahlen. Nur ist dies eben an Bedingungen geknüpft.Wenn ich bezahle, erwarte ich Qualität. Im Umkehrschluss bedeutet das nichts anderes, als dass ich für Qualität sehr wohl zu zahlen bereit bin.

    10, 20 oder 30 Cent für einen gut recherchierten und geschriebenen Artikel gebe ich gerne aus. Wenn es dann noch ein einfaches Bezahlsystem ohne Registrierungshürden gibt und ich in wenigen Sekunden diesen Artikel downloaden kann, bin ich dabei! Werbung brauche und will ich nicht!

    Warum soll ich denn für einen Artikel bezahlen, den eine beliebige Onlinezeitung von der DPA geliefert bekommt und 1:1 ins Netz stellt? Ohne eigene Recherche? Und den ich im Netz 100fach googeln kann?

    DAS kann sicher nicht die Zukunft sein. Verlage, besinnt euch auf eure USP’s. Bspw. Journalisten, die rausgehen, recherchieren und selber schreiben. Ob regional oder überregional ist dabei zweitrangig.

  2. Korrekter wäre aus meiner Sicht die Überschrift: “Content hat keine Zukunft im Web”
    Ohne hinreichende Erlöse (ob durch Werbung oder Verkauf) können sich die Verlage dieses Hobby auf Dauer nicht leisten.

    Beste Grüße

    Richard Zinken

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