Doping-Fall Claudia Pechstein
Pechstein: PR gegen Sperre rettet Image
Am Freitag 7 August 2009 von Thomas
+++Update: Deutschlands erfolgreichste Wintersportlerin bekommt die Doping-Sperre. +++ Doch mit einer kommunikativen Offensive wird sie ihr Image vor größerem Schaden bewahrt haben. Textberater.com mit einer Analyse.
“Ich habe den Dopingstempel auf der Stirn, mit dem Wissen, nichts getan zu haben”, sagte Pechstein auf ihrer selbst einberufenen Pressekonferenz.
Unabhängig vom Ausgang der schmutzigen Affäre kann man jetzt schon sagen: Aus PR-Sicht geht der Vorstoß der Sportlerin in die richtige Richtung. Totale Offenheit gibt dem Gegner, eigentlich eine Fairness-Behörde, schnell den Anstrich eines blinden Bürokratie-Monsters.
Die Analyse: 1. Zugzwang herstellen
Anders als die meisten ihrer Sport-Kollegen, die unter Doping-Verdacht „kein Kommentar“ zur PR-Strategie erhoben, wählte Pechstein die Offensive.
Sie sei bereit, sich unter medizinischer Quarantäne untersuchen zu lassen. Das könnte beweisen, dass ihre Blutwerte großen Schwankungen unterliegen.
Textberater.com meint: Die Idee kommt zwar vom Dopingexperten Fritz Sörgel, der das bereits vor Wochen im Tagesspiegel forderte. Aber gut abgeguckt; drängt Pechstein die sie beschuldigenden Kontrollbehörden damit doch in den Zugzwang. Geht der beteiligte Eisschnelllauf-Weltverband ISU nicht darauf ein, würde einer verhängten Doping-Sperre immer ein Makel anhängen, was wenigstens der Ehren-Rettung der Sportlerin dienen müsste.
Die Analyse: 2. Experten präsentieren
Pechstein mischte sich laut Augenzeugen nur selten in die Pressekonferenz ein. Dazu bestand ja auch kein Anlass. Neben Manager Ralf Grengel und Rechtsanwalt Simon Bergmann gab es ja auch noch diverse Wissenschaftler, die auf alle möglichen Verfahrensfehler bei den Bluttests hinwiesen.
Textberater.com meint: Schlauer Schachzug. Wer kann schon beurteilen, ob ein Bluttest unter fairen Bedingungen ablief? Nur die Experten. Und sind die sich uneinig, obliegt es dem Leser, Sportfan und anderen Normalsterblichen, den Fall zu bewerten. Auch das könnte auch bei einem Karriere-Aus für Pechstein langfristig ihr Image retten.
Außerdem ist es auch schlau, widerstreitende Experten in Diskussionen zu verstricken. Wir erinnern nur an den Film „Thank You For Smoking“, in dem humoristisch nachvollzogen wird, warum Rauchen jahrelang gar nicht so schädlich war. Dabei hatten Wissenschaftler und eigentlich auch jeder andere Mensch die Wahrheit längst begriffen – aber ein kleiner Zweifel hielt sich und die Kippe am Markt.
Die Analyse: 3. Emotionalisieren
Emotionen sind ein gefährliches Spielzeug in der Krisen-PR. Auch Textberater.com rät beispielsweise, sich in Krisen an die Fakten zu halten.
Aber Pechstein nutzt ihre Situation geschickt, indem sie sich an die Fakten hält und dennoch emotionalisiert. “In den letzten Monaten bin ich durch die Hölle gegangen”, sagte Pechstein. Und das kann man ruhig glauben.
Die Analyse: 3. Für Verbreitung sorgen
Ein bisschen Online-PR, und schon sitzen die richtigen Ansprechpartner entweder auf der Pressekonferenz oder vor der Glotze zur Life-Übertragung diverser Nachrichtensender.
Und ein Journalist, der sich mit dem Fall Pechstein befasst, ist mit Sicherheit durch diesen Artikel beim PR-Dienst presseportal.de rechtzeitig informiert worden. Für wenige Hundert Euro kann man sich nämlich bei presseportal.de zum Versender eigener Nachrichten machen, die auch wirklich bei Journalisten ankommen.
Die Wirkungs-Analyse
Gehen wir noch einen Schritt weiter und betrachten die kurzfristige Wirkung der Pressekonferenz in den Medien.
Zum Suchbegriff „Pechstein“ werden allein 600 nachrichtliche Veröffentlichungen von Google ausgegeben. Die wichtigsten stehen ja wie immer oben. Und so sehen sie aus:
- Pechstein beklagt Verfahrensfehler (RP Online)
- Anti-Doping-Agentur: Uneins im Fall Pechstein (Fokus)
- Pechstein wirft Eislauf-Weltverband Verfahrensfehler vor (Spiegel Online)
- Pechstein Opfer eines Daten-Wirrwarrs? (sueddeutsche.de)
Die Meldung zur Pressekonferenz wurde von so ziemlich jeder News-Seite aufgegriffen. Wenn sich jetzt doch noch der eine oder anderen Kommentator melden sollte, der Pechstein zu überführen glaubt, wird er in der Masse untergehen.
Schlagworte: Analyse, Guter Stil, nachhaltige Kommunikation, Online-PR, PR Strategie, PR-Affäre
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