Kommentar

PR-Strategie: Xing propagiert hartnäckig Daten-Sicherheit

Am Donnerstag 22 Oktober 2009 von Thomas

Schon mal einen Artikel über Hacker auf Xing geschrieben? 10 Minuten später klingelt das Telefon – in der Leitung die Presseabteilung des Business-Netzwerks. Textberater.com kennt das, Meedia hat das jetzt auch erlebt. Doch die Strategie der Gegendarstellungen ist gefährlich – ein Kommentar.

Die Medien-Seite Meedia hat hier ein Interview zu Datenklau und Sicherheit in sozialen Netzwerken präsentiert. These: Nach dem Kopieren von 1 Million Nutzer-Daten bei SchülerVZ seien auch die Daten bei Xing und Facebook nicht sicher.

Aus einzelnen Daten werden pikante Informationen

Springer-Web-Experte Peter Schink sagt in dem Interview zum Beispiel: Die bei Xing herumliegenden Daten sind schon von erschreckendem Umfang. Telefonnummern, Adressen, eMails, Geburtsdaten – alles mögliche haben einige Nutzer da offengelegt.

Interessant für Hacker sei vor allem die Vielzahl der Informationen – sowohl auf Xing (“ledig” samt Geburtsdatum, eMail und Telefonnummer … so etwas ist schon erschreckend), als auch auf Facebook (Bis ein mit SchülerVZ vergleichbarer Skandal dort auftritt, ist es nur eine Frage von Wochen oder Monaten).

Meedia krieg Post, Textberater.com Anruf

Das Meedia Interview ging gestern online. Jetzt (halbneun in Deutschland) haben die Kollegen bereits eine Stellungnahme von Xing angehängt.

Tenor: “Die Aussage, dass Daten bei XING herumlägen und folglich nicht sicher seien, trifft nicht zu. … 
Wir sensibilisieren unsere Mitglieder fortwährend für Datenschutz und Privatsphäre.“

Textberater.com präsentierte auch schon einen Artikel über einen „Hacker-Angriff auf Xing“. Prompt klingelte das Telefon.

Im Update heißt es jetzt: Es habe sich im engeren Sinne gar nicht um einen Hacker-Angriff gehandelt. Stattdessen seien von einigen Nutzer-Konten Emails mit schädlichem Inhalt versendet worden. Das habe man aber jetzt wieder im Griff.

Spiel auf Zeit

Doch die hartnäckige Sicherheits-Propaganda seitens Xing birgt Risiken. Ein Vergleich: SchülerVZ verbreitete über Werbebanner und Community-Mitteilungen ja auch die zahllosen Sicherheits-Zertifikate, die Netzwerk-Nutzer schützen sollten.

Jetzt, nach dem Daten-Gau, steckt VZ in der Glaubwürdigkeits-Falle. Kopierte Profil-Fotos sind das Eine. Aber vorher zu behaupten, die Renten – Entschuldigung – die Daten seien sicher, ist das Andere. VZ-Nutzer fragen sich jetzt: Was kann ich denen überhaupt noch glauben?

Zurück zu Xing: Bislang hat sich die kriminelle Energie auf dem Portal scheinbar darauf beschränkt, über gefälschte Profile Spam an echte Mitglieder zu versenden.

Aber langsam: Der mutmaßliche SchülerVZ-Hacker ist gerade mal 20 Jahre, hat einen Sprachfehler und vermutlich 15 Punkte im Informatik-Abi – mehr braucht es nicht. Und von diesen Kandidaten laufen einige rum.

Xing-PR in der Zwickmühle

Die Xing-PR sitzt zwischen zwei Stühlen: Einerseits will man die Daten der Nutzer – nur so wird das Netzwerken für die Mitglieder nützlich. Andererseits kann man sich keinen Vertrauens-Verlust leisten. Schließlich ist so ein Profil bei Bedenken auch schnell mal wieder gelöscht.

Doch die klare Entscheidung in Sachen PR-Strategie zu Gunsten gefühlter Sicherheit spielt mit großem Risiko. Weniger riskant wäre es, mit der guten alten Offenheit ans Werk zu gehen.

Überlegungen: Um die Renten – Entschuldigung – die Daten müssen sich die Nutzer selber kümmern. Wie wenig die das tun, zeigt sich in den Statements der Datenschützer: Die Leute seien wahnsinnig, so viel über sich im Web preiszugeben.

Aber mal ehrlich: Wenn es der Masse der Xing-, Facebook-, oder VZ-Mitglieder schon egal ist, wer wieso was mit ihren Daten macht, dann ist das doch gut so – aus Sicht der Netzwerke. Warum also so tun, als gäbe es kein Risiko. Die Leute loggen sich ja auch ein, wenn Sie das Risiko kennen.

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1 Kommentar zu “PR-Strategie: Xing propagiert hartnäckig Daten-Sicherheit”

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