Stadtschloss und S-Bahn: Berliner PR-Tief belastet SPD
Am Samstag 12 September 2009 von Thomas
Dieser Tage macht Berlin wieder weltweit Schlagzeilen – aber keine guten. Die Gründe sind vielfältig, haben aus PR-Sicht aber vor allem mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zu tun, der damit der SPD zur Bundestagswahl keinen Gefallen tut. Ein Kommentar von Textberater.com.
Chefsachen delegiert: Anstatt Führungsstärke zu beweisen, plaudert Wowereit um den heißen Brei – und überlässt den Medien die Führung in der Diskussion um den nicht enden wollenden S-Bahn-Skandal und das nach derzeitigem Stand der Dinge vermutlich gescheiterten Bauprojekt des Berliner Stadtschlosses.
„Kein Ausweg“
Aber der Reihe nach: Eine Kündigung des bis 2017 laufenden Berliner S-Bahn-Vertrages ist aus Sicht Wowereits kein Ausweg aus dem Technikchaos.
Nachdem kürzlich der gesamte Vorstand der S-Bahn wegen verschluderter Kontrollen an Rädern der Züge gehen musste, wird jetzt wieder auf Notstandsbetrieb geschaltet, weil die Bremsen auch nicht richtig funktionieren.
„Hier gibt’s keine schnelle Lösung, die den Kunden helfen würde“, sagt Wowereit. Kunden? Wer denkt denn wenige Wochen vor der Bundestagswahl an Kunden? Der als Kanzlerkandidat der nächsten Generation gehandelte Wowereit steckt mental derzeit zu tief in Berlin, auch um den Schaden für sein Image klein zu halten. Bundespolitisch gibt’s für die SPD derzeit nichts zu lachen.
Linke sahnt ab
Die großen Profiteure des S-Bahn-Skandals sind natürlich die Gegner der Bahn-Privatisierung – und damit vor allem die Linke. Vermutlich hat Wowereit tief in seinem Herzen auch Vorbehalte gegen den geplanten Börsengang der Bahn, überlässt aber die PR-Gewinne seinem roten Koalitionspartner.
Beim Projekt Stadtschloss ähnliches Szenario: „Vertrag mit Star-Architekt ungültig! Stirbt das Stadtschloss?“ – so titelt die Bild.
Stadtschloss droht PR-Debakel
Das Bundeskartellamt hat den Vertrag zwischen Schloss-Architekt Franco Stella und dem Bundesbauministerium für ungültig erklärt. Vorwurf: Das Bundesbauministerium habe Stellas Angaben betreffs der Bedingungen zur Teilnahme am Projekt nie überprüft.
Wowereit schweigt zu der formal bundespolitischen Angelegenheit. Das ist Teil seiner derzeit defensiven Strategie, den Kopf lieber einmal weniger hinzuhalten. Dabei könnte sich der Bürgermeister der Herzen bundespolitisch als Macher profilieren, wozu er in Zeiten der schlechten Wahlergebnisse für die SPD keine Lust hat.
Jetzt muss Kanzlerkandidat Steinmeier mit seinen Wirtschafts-Themen in die Wahl – und betritt damit das Terrain der Liberalen und der CDU, die immerhin auch keinen Vorteil aus dem vorerst geretteten Autohersteller Opel schlagen können. Die Marke SPD kann davon nur wenig profitieren, weil schon die eigenen Mitglieder die alten Gassenhauer lieben, mit denen vor allem die Linke punktet.
Schlagworte: Krisen-PR, PR Strategie, Wahljahr 2009


na, mal ehrlich: Jede (konkrete) Aussage seitens Wowi würde derzeit doch ziemlich in die Hose gehen: Entweder kriegt er öffentlich auf´n Deckel von den Berliner (zu Recht?) oder bundespolitisch von CDU/CSU bzw. der eigenen Partei (Halt´s Ma.. Wowi). Also lieber mal verkrümeln und nix sagen (Prinzip Merkel?)