Aufgelesen
Stern: “Zu unseren Informanten sagen wir nichts.”
Am Dienstag 9 März 2010 von ThomasDie BUNTE ließ von der Agentur CMK das Privatleben von Politikern systematisch Ausspähen, so das Recherche-Ergebnis des Stern-Magazins. Über die folgenden Klagedrohungen und Beschimpfungen von BUNTE geben die beiden Chefredakteure des Stern in einem taz-Interview Auskunft. Nicht aber über ihre etwaigen eigenen CMK-Informanten.
Die unmittelbare Reaktion des BUNTE-Magazins nach der Stern-Veröffentlichung über ihre Arbeitsmethoden verlief nach dem Motto “Angriff ist die beste Verteidigung”: man drohte mit rechtlichen Schritten und schimpfte den Stern einen Nestbeschmutzer. Das Medium wolle mit seiner Hetzkampagne lediglich einen erfolgreichen Konkurrenten aus dem Feld schlagen.
Dazu die beiden Chefredakteure des Stern, Andreas Petzold und Thomas Osterkorn, im Interview mit der taz: “Was auch immer da noch kommen mag: Wir sehen dem sehr gelassen entgegen.” Bislang können sie das auch, denn weder eine Verleumdungs- noch eine Unterlassungsklage sei beim Stern eingegangen.
Gerade weil es sich um einen Wettbewerber handele, habe man die Recherche in diesem Fall besonders ernst genommen, sich nicht auf die Aussagen der Informanten verlassen und alle Informationen vier- oder fünffach gecheckt.
“Immer wieder versucht der Burda-Verlag, die Bunte als Wettbewerber vom Stern zu positionieren, nur weil beide am Donnerstag erscheinen”, so Petzold zur taz. “Die Bunte konkurriert mit People-Magazinen wie Gala oder InTouch, aber nicht mit dem Stern. Das hätte der Burda-Verlag gerne und deswegen treibt er die Diskussion in diese Richtung. Ein durchsichtiger Versuch…”
Aktueller Stern-Titel: sich selbst befriedigende Nackte
Der Stern sieht sich selbst vielmehr in Konkurrenz zum Spiegel und zum Focus. Zu Recht stellt taz-Redakteur David Denk die Frage, wie der Stern diesen Anspruch mit seinem aktuellen Titelbild vereinbart: eine Nackte in Selbstbefriedigungshaltung. Petzold zur taz: “Wo ist das Problem? Es geht doch um die Inhalte im Heft.”
Osterkorn führt aus: “Wir versuchen mit einem durchaus erotischen Bild, das wollen wir gar nicht in Abrede stellen, Interesse zu wecken für ein schwieriges Thema: Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennungsdiagnostik. Was bitte will man da sonst zeigen? Eine Darmspiegelung?”
Schließlich habe man im ganzen Jahr 2009 bei 53 Ausgaben nur eine einzige Barbusige auf dem Titel gezeigt.
CMK-Informanten für ein paar hundert Euro…?
Problematischer als ein nacktes Cover ist für den Stern sicher die Tatsache, dass auch er “ein paar hundert Euro” für Fotos von CMK ausgegeben hat. CMK war diejenige (Bild-)Agentur, die im Auftrag von BUNTE Spitzenpolitiker ausspionierte.
Im Interview stellt sich heraus, dass der Stern insgesamt ein paar tausend Euro für etliche Bilder aus der Bilddatenbank von CMK gekauft hat. Skandalös? Wohl nicht, denn: “Wir haben Fotos aus deren Bilddatenbank gekauft und dafür den Standardsatz gezahlt, aber CMK nie mit Recherchen beauftragt. … Wir haben Bilder, die im Internet zu bestellen waren, gedruckt – nicht wissend, was das für eine komische Agentur ist. Wie viele andere Medien in Deutschland auch.”
Fragwürdiger ist wohl die Tatsache, dass keiner der beiden Chefredakteure auf die Frage antwortet, ob der Stern Informanten aus dem CMK-Umfeld bezahlt habe.
Osterkorn: “Dazu sagen wir grundsätzlich nichts.” Begründung Petzolds: “Das gehört für uns zum Informantenschutz. Wichtig ist doch, ob das, was ein Informant erzählt, stimmt oder nicht.”
Das ganze Interview über Pressefreiheit und “Outsourcing von Drecksarbeit” in der Branche gibt es hier.
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Schlagworte: Journalismus
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