Diskussion

Tagesschau-App: Das Böse ist kostenlos

Am Dienstag 29 Dezember 2009 von Thomas

Wir haben noch einen Schuldigen für den Niedergang der deutschen Verlage gefunden…

…es ist die Tagesschau, die sich auf dem iPhone breit machen will. Derweil schmuggelt sich die Telekom unkritisiert in den Wettbewerb um Leser, Nutzer und Verbreitung.

Bezahlte Inhalte im Netz – oder auf mobilen Endgeräten sind schon länger in der Diskussion, wenn es um das Überleben der Verlage geht.

Das Argument: Nur wenn Nutzer für journalistische Inhalte zahlen, sei das Angebot angesichts sinkender Werbeeinnahmen aufrecht zu erhalten.

Doch auch nach Protesten von Verlagen und Privatfunkern sieht der ARD-Vorsitzende Boudgoust auf dem App-Markt “genug Platz für uns alle”.

Springer sieht Arbeitsplätze verschwinden

Kritischer der christdemokratische Medienstaatsminister Bernd Neumann: “Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte mit Gratisangeboten für das iPhone nicht unnötig neue Geschäftsmodelle der privaten Anbieter gefährden.”

Tatsächlich haben Springer und Co. dieser Tage erst mit Bezahlinhalten auf dem iPhone losgelegt. Störfaktor ist wie immer die kostenlose Konkurrenz.

“Wenn sich bezahlte Applikationen auf mobilen Geräten nicht durchsetzen, wird dies tausende Arbeitsplätze in der Verlagsbranche kosten”, drohte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner im Focus.

Telekom schielt auf Nutzer

Abseits vom politischen Hickhack hat René Obermann eine Web 2.0-Strategie für unsere Telekom angekündigt.

Als Beispiel für einen Teil der neuen Ausrichtung nannte Obermann den jüngst übernommenen Internetdienstleister Strato. Außerdem stellt der Telekom-Chef neue Produkte in Aussicht, die sich per Handy, PC oder Fernsehen nutzen lassen.
Verlage laufen Technik hinterher

Keiner gemerkt? Im Kampf um vermarktungs-relevante Reichweiten geht es seit dem Fall der gedruckten Zeitung um Technik. Wer sie beherrscht, darf im Wettbewerb um Leser und Zuschauer mitspielen.

Doch den Technik-Zug haben die Verlage leider abfahren lassen. Jahrelang wurde beispielsweise über E-Reader diskutiert, statt sich für digitale Geräte stark zu machen.

Im Sperrfeuer gegen die Kostenlos-Kultur im Netz geriet dann erstmal Google ins Visier. Doch statt wie einst in der Zeitung zu blättern, wird heute lieber der Freundeskreis im Web gepflegt – das ist Mediennutzung.

Die zugkräftigen Medien und die wahre Konkurrenz für Verlagsangebote dieser Tage heißen Youtube oder Facebook.

Hoheit über Inhalte wäre eine Revolution

Die sind übrigens kostenlos und finanzieren über Werbung. Diese Werbung wird von Kunden geschaltet, die in der guten alten Zeit in Zeitungen und TV zuhause waren.

Doch seit der Demokratisierung der Technik scheint den Verlagen die Mittlerfunktion zwischen Nutzern und Werbekunden abhanden zu kommen.

Die Hoheit über die Verbreitung der Werbung ist also weg. Nun soll es die Hoheit über Inhalte bringen – verständliche Idee, schweres Geschäft.

Paid Content, also bezahlte Inhalte, waren schon zu Zeitungs-Zeiten nicht zu vermarkten. Die Leser zahlten nur einen Bruchteil der Produktionskosten der Angebote.

Die Abo-Gebühren rechtfertigten sich im Wesentlichen daher, dass die Zeitung morgens vor der Tür lag. Anders kam man als Leser nicht an die Neuigkeiten aus aller Welt. Heute ist das anders.

Mehr zum Thema:
Wie sich Paid Content durchsetzen wird

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1 Kommentar zu “Tagesschau-App: Das Böse ist kostenlos”

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