Kommentar

Unternehmen im Web 2.0: “Nützet und gefallet!”

Am Dienstag 23 Februar 2010 von Christina

Gerade gab’s ordentlich Schelte für Internet-Berater, die Unternehmern sämtliche Web 2.0-Instrumente aufschwätzen. Und es stimmt: Nicht jeder aktuelle Trend passt zu jedem Unternehmen. Die Beraterleistung ist es, passende strategische Maßnahmen zu ermitteln. Aber es gibt auch eine ureigene Unternehmerleistung: prodesse et delectare.

Der Grund für gescheiterte Social Marketing-Kampagnen oder wirkungslose Twitter-Konten sind nicht schlechte Berater allein – auch wenn es davon genug zu geben scheint. Man denke an das Vodaphone-Desaster in Sachen Social Media-Kampagne, Textberater.com berichtete.

Auf Teufel komm raus up-to-date sein wollen

Jährlich wechselnde Internet-Hypes, die von vermeintlichen Experten und nutznießenden Medien zur unverzichtbaren Pflicht erklärt werden, machen es heutzutage schwer sich zurecht zu finden, zugegeben. Die vielfältigen Möglichkeiten, User im Netz zu erreichen sind verführerisch. Aber wir bitten um mehr Gelassenheit.

Vielleicht hilft es, die schöne Übersicht von FAZ.net-Blogger Don Alphonso durchzugehen: Er listet einst gehypte und heute bedeutungslose Internet-Trends wie Friendster oder Second Life sowie aktuelle „Pflichtprogrammen“ wie iPhone-Apps. Eingebettet ist das Ganze in seine schelmische Schelte zu vermeintlichen Experten des sozialen Internets.

Ob virtuell oder real: Prodesse et delectare

Die extrem schnell wechselnden Moden machen es dem gemeinen Unternehmenslenker im gesetzten Mannesalter noch schwerer, sich in die Web 2.0-Welt hinein zu denken. Sein generelles Problem dabei ist es immer noch zu erkennen, dass die virtuelle Welt paradoxerweise viel weniger anonym ist als die reale.

Deshalb gilt fürs Netz viel mehr als beispielsweise für TV-Werbung: Wer kein gutes Produkt hat, macht es auch durch eine kostspielige, knallige, trendige (Social Media-)Kampagne nicht besser. Eher schlechter. Denn anders als der Fernsehgucker reagieren User prompt und direkt auf unglaubwürdige, unwahre oder qualitativ enttäuschende Produkte. Und das spricht sich schnell rum.

Andererseits gibt es hinsichtlich des unternehermischen Wirkens viele Ähnlichkeiten zwischen Web und realem Leben: Im wahren Leben muss ein Unternehmer, der sein Produkt bewerben will, Entscheidungen treffen, wie: Mach ich Radio-Werbung? Annonciere ich? Und wo? Oder doch lieber Fernsehen? Und wie?

Genauso im Netz: Mach ich nur was bei Twitter? Oder bei Facebook? Oder doch lieber ne Netzwerkweite Mitmach-Kampagne? Und wie? Wenn Don Alphonso schreibt, Unternehmer würden von so genannten Experten aus allen Blogs und Interviews mit den aktuellen Trends beschallt, dann hat er Recht.

Aber wer sich im Netz tummelt muss auch wahrnehmen, was der gemeine User sagt: Ihn erfreut, was nützt und/oder gefällt. Das kann für den einen Unternehmer schon bedeuten, seine Webseite vernünftig zu gestalten oder einen Web-Shop anzubieten. Für andere ist es durchaus sinnvoll, mobile Funktionen anzubieten. Und wieder andere schreiben mit vermeintlich sinnlosen Viral-Kampagnen Internetgeschichte.

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