Worst Practice

US-Pharmafirma ließ Studien schönen

Am Freitag 7 August 2009 von Christina

Bittere Pille für den US-Pharma-Riesen Wyeth: Seine „Kampagne“ für Hormonersatz-Therapien flog auf. Der Skandal: PR-Agenturen schönten im Auftrag des Konzerns Studien und ließen diese von Forschern unterschreiben. Renommierte Fachblätter veröffentlichten die gefälschten Artikel. Auch dann noch, als das Brustkrebs-Risiko für Frauen durch das empfohlene Medikament bereits bekannt war.

Hitzwallungen, Herzrasen, Schweißausbrüche? Bis vor kurzem schluckten Millionen Frauen in den Wechseljahren Premarin oder Prempro gegen solche Beschwerden. Und erhöhten damit das Risiko für Brustkrebs, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Demenz enorm, wie Spiegel Online berichtet.

Die gefährlichen Hormonersatz-Präparate gehören zur Angebotspalette des US-amerikanische Konzern Wyeth, der damit allein im Jahr 2001 zwei Milliarden Dollar Umsatz erzielte. Genug Geld, um teure PR-Schwindler zu bezahlen, die positiv über die Hormon-Ersatztherapie (HRT) geschrieben und Risiken heruntergespielt hatten.

Wyeth bezahlte DesignWrite insgesamt 25.000 Dollar für das Verfassen eines Artikels. Anschließend haben Mediziner laut New York Times ihre Namen über die bereits fertigen Berichte gesetzt.

PR, wie sie nicht sein soll

Gerade in Bereichen wie Medizin oder Technik helfen PR-ler, Fach-Chinesisch in verständliche Sprache zu übersetzen und so die Vorteile eines Produkts oder eines Verfahrens zu veranschaulichen. Aber PR darf keine Nachteile verschleiern. Und sie muss immer gekennzeichnet sein.

Anders lief es bei Wyeth: In den Artikeln wurde weder erwähnt, dass die Hormon-Ersatztherapien gesundheitliche Gefahren bargen, noch dass die eigentlichen Urheber der Texte von Wyeth bezahlte PR-Schreiber waren.

Stattdessen verschleierte das Unternehmen diesen Vorgang offenbar gezielt: Nachdem die Texte verfasst waren, trat Wyeth an Experten aus den jeweiligen Fachgebieten heran und bat diese, die Artikel mit ihrem Namen zu unterzeichnen. Nicht selten sollen die Mediziner dies anstandslos getan haben – mitunter sogar ohne jegliche inhaltliche Verbesserungen anzustrengen.

Einsichten in amerikanische Einsichten

Ein Wyeth-Sprecher sagte der “New York Times”, die von der Firma gesponserten Artikel seien wissenschaftlich korrekt gewesen.

Allerdings hat das Unternehmen laut Spiegel Online seine Praxis nun mittlerweile in einem Detail verändert: Zwar bezahle es noch immer Kommunikationsfirmen für das Verfassen von Fachartikeln. Doch nach Angaben eines Wyeth-Anwalts wird seit 2006 in den Publikationen darauf hingewiesen, wenn die Firma die Arbeit finanziell unterstützt hat.

Die Praxis von Wyeth entdeckten Anwälte von Frauen, die die Firma zur Zeit auf Schadenersatz verklagen. Die Frauen machen massive Nebenwirkungen nach der Einnahme von Hormonpräparaten geltend.

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