Von den Bösen lernen: Die geplatzte Guerilla-PR der Bahn
Am Dienstag 30 Juni 2009 von ThomasSogar Hans Meiser hat sich für eine heimliche PR-Aktion der Bahn kaufen lassen. Spuren und Strategien einer entworrenen Affäre.
Die Bahn kommt zu spät, ist zu teuer, zu langsam, der Service ist schlecht – auch deshalb hat sich das Image vom ehemals zuverlässigen Volks-Beförderer zum börsengeilen Konzern gewandelt. Hartmut Mehdorn musste unlängst seinen Hut aber nicht wegen des schlechten Images nehmen, sondern wegen der unter seiner Amtszeit stattgefundenen Mitarbeiter-Bespitzelungen. Die waren auch nicht gut fürs Image.
Video: ARD über die verdeckte PR der Bahn
Video: ARD über die PR-Affäre der Bahn
Kurz: Es war dringend Image-Pflege angesagt. Das hatte man auch bei der Bahn erkannt. Und eine nur scheinbar neutrale Print- und Online-Kampagne gestartet. Aber ob die Guerilla-Strategie der Bahn wohl Aussicht auf Erfolg hat?
Gekaufte Promis, gefälschte Blogger
Der gemeinnützige Verein Lobbycontrol deckte die verdeckte PR auf. Und so konnte der NDR hier einen lehrreichen Artikel präsentieren.
Demnach versuchte die Bahn, scheinbar neutrale Personen in Medien zu platzieren. Und so erklärte sich eine bekannte, ehemalige RTL-Moderatorin („Mein Name ist Barbara Eligmann.“) im TV als Fan des Nachtzugs.
Hans Meiser nahm den Weg des gedruckten Wortes („Rhein-Ruhr Magazin“ 04/2007): „Ich weiß doch als Bahnfahrer, dass die Pünktlichkeit des Zuges von vielfachen Faktoren abhängt.“ Aber mit dem Auto sei man auch nicht immer pünktlich. „Also fahre ich Bahn.“
Neben Promis wurden auch vermeintlich normale Bahnkunden mobilisiert. Die äußerten sich bei Youtube positiv zur geplanten Bahnprivatisierung.
Bahn engagiert Lobbyisten, Lobbyisten engagieren PR-Agentur
Hinter dem geplatzten Coup steht laut NDR unter anderem die Agentur berlinpolis. berlinpolis schrieb Kommentare in Foren und in Blogs – hat also die Sachen gemacht, bei denen sich schon der Deutsche Bauernverband (DBV) erwischen ließ. Dafür wurde berlinpolis übrigens nicht direkt von der Bahn bezahlt, sondern von der Lobby-Agentur „European Public Policy Advisers“ (EPPA). EPPA wurde aber von der Bahn bezahlt – mit 1,3 Millionen Euro.
Eine nicht ganz gewöhnliche Idee war dann doch die Forsa-Umfrage. Mit der Suggestivfrage „Soll sich die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) auf das fünfte Angebot der Deutschen Bahn, wonach das Fachpersonal einen eigenen Tarifvertrag, 4,5 Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 2000 Euro erhalten solle, zufrieden geben?“ (Forsa im Auftrag von berlinpolis), erzwang man ein JA-Ergebnis.
PR-Agentur gibt sich als unabhängige Forscherfabrik
Der erhoffte Erfolg sollte sich auch schnell einstellen: Die Welt vom 19.10.2007: „Lokführer verlieren Rückhalt“. Frankfurter Rundschau vom 19.10.2007: „Die Stimmung kippt“.
Auch Magazine wie Capital ließen berlinpolis und ihren Chef, Daniel Dettling, zu Wort kommen. Immerhin präsentiert sich berlinpolis ja nicht als PR-Agentur, sondern als unabhängige Denk-Fabrik.
Und so forderte der scheinbar unabhängige Dettling wiederholt Freiheit für die Bahn und meinte damit beispielsweise in der Financial Times Deutschland vom 23.05.2007, man solle dem Börsengang doch bitte die Steine aus dem Weg räumen.
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Schlagworte: Bahn, Blog, Online-PR, PR, PR-Affäre, Schleichwerbung
Dieser Beitrag wurde am Dienstag 30 Juni 2009 um 15:04 Uhr von Thomas veröffentlicht und unter News, Unterhaltung gespeichert. Sie können Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS 2.0-Feed verfolgen. Momentan ist weder das Kommentieren noch das Setzen eines Trackbacks möglich.
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