Warum Nachrichten.de scheitern wird
Am Sonntag 6 September 2009 von Thomas
Ob der Zwilling den Erstgeborenen vom Thron stoßen kann? Mit Nachrichten.de startet Burda einen Internet-Dienst, der Google News ähnelt und gleichzeitig als Konter gedacht ist. Auch international formiert sich Widerstand gegen den bislang unangefochtenen Internet-Riesen – mit zweifelhaften Erfolgen.
Verleger Hubert Burda wettert schon lange gegen Google. Wie es denn sein könne, dass jemand Werbe-Einnahmen mit fremden Inhalten verdiene? Jetzt tut Burda es jedoch dem Feinde gleich. Immerhin: Aus PR-Sicht ergeben wenigstens die gehäuften Meckereien gegen Google News jetzt Sinn.
Quelle am Umsatz beteiligt
In der dritten September-Woche soll laut internen Informationen Nachrichten.de starten. Ähnlich Google News, sammelt Nachrichten.de Meldungen, zeigt Überschrift und Teile des Inhalts und verlinkt auf die Quelle.
Laut Burda ist das natürlich etwas ganz anderes als Google News. Warum: Die Quellen seien in Sachen Werbeeinnahmen bereits von Anfang an beteiligt.
Einerseits profitierten die Schreiber vom Traffic, der über Nachrichten.de komme – das ist schon mal nichts Neues.
Und andererseits gebe es ein Modell, nach dem die Urheber der fremden Nachrichten am Umsatz von Nachrichten.de beteiligt werden – auch das praktiziert Google zumindest in den USA mit großen Nachrichten-Agenturen.
Europaweite Google-Kritik
Europaweit formiert sich eine internationale Anti-Google-Bewegung. In Italien ermittelt eine Wettbewerbs-Behörde, in Belgien wird sich aus dem Google-Service herausgeklagt, in Dänemark wurde Google News ganz verhindert und Deutschland und Frankreich machen Politik gegen Google Books.
Verleger fürchten, Lesern genügten die kurzen Anreißer-Texte bei Google News, und der Klick auf die Urheber-Seite entfalle – und damit auch die Werbeeinnahmen dafür.
Im Ganzen vielleicht sinnvoll, an sich Quatsch
Der Angriff auf Google News ist Teil einer größeren Strategie, in der es vor allem um Vermarktung und Werbeeinnahmen geht. Auch da haben Verlage das Heil in der Kooperation erkannt, um den Internet-König vom Thron zu stoßen.
Für sich allein genommen ist Nachrichten.de nämlich eine denkbar schlechte Idee. Einerseits gibt’s für den Nutzer keine Innovation – jedenfalls ist keine in Sicht. Man könnte es aus Patriotismus vielleicht interessant finden, den europäischen Service zu nutzen. Aber ob Moral die Nutzer mobilisiert und damit die notwendige Reichweite erzeugen kann?
In der Objektivitäts-Klemme
Und außerdem – das ist wieder ein Verleger-Thema – Google News rechnet sich nicht. Google dachte bereits vor Jahren darüber nach, den Service einzustellen. Vermutlich aus marktstrategischen Gründen wird das Kind am Leben gehalten, weil man eben alles durchsucht.
Drittens, und jetzt wird es doch wieder moralisch: Ob ein Verlagsprojekt die Objektivität vermitteln kann, die ein unabhängiger Player gewährleistet, ist mehr als fraglich.
Derzeit fungiert Google als eine Art öffentlich-rechtlicher Sender, dem es lediglich um Relevanz und Aktualität geht. Als ganz so harmlos dürfte sich das Burda-Projekt den Nutzern nicht verkaufen lassen.
Interesse: http://blog.nachrichten.de/
Schlagworte: Journalismus, PR Strategie, Suchmaschinenoptimierung
3 Kommentare zu “Warum Nachrichten.de scheitern wird”
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Burda droht gerade ein ziemliches PR-Desaster, da es seine bereits wieder eingestellte Zeitschrift “Young” wohl nicht so genau mit dem Erwerb von Printrechten für Bilder genommen hat. http://tinyurl.com/njzana
Soviel zum Thema “Enteignung im Netz”
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Wenn ihr schon von “europaweiter” Kritik an Google sprecht, darf man die Schweiz nicht vergessen, wo Google Street View auf Drängen des Eidgenössischen Datenschützers stark nachbessern muss, was das Unkenntlichmachen von Gesichtern angeht. Er droht sogar mit dem Gang vor Bundesgericht.


“Die Top-Sites könnten im zweiten oder dritten Jahr bis zu fünfstellige Summen erhalten” heisst es.
Nachrichten.de müsste 1 Mio. Euro an Werbung einnehmen, damit 200.000 Euro an die Publisher weitergegeben wird. Die Top-Sites mit 5-10% der Einnahmen, würden dann 10.000 – 20.000 Euro – also eine fünfstellige Summe – erhalten.
1.000.000 Euro hieße grob eine Milliarde PIs pro Jahr. Was für unrealistische Vorstellungen! Also wird das Projekt nach gut einem Jahr wieder in eingestellt werden…
Zum Glück gibt’s ohnehin Alternativen zu Google:
http://www.dmoz.org/World/Deutsch/Medien/Aktuelle_Nachrichten/Suchmaschinen/