Kommentar

Wie Datenschutz wieder wichtig würde

Am Samstag 12 Dezember 2009 von Thomas

Die Datenschützer piesacken Facebook weiter: Die neuen Funktionen für die Einstellungen zur Privatsphäre seien nicht ausreichend. Das interessiert die Nutzer natürlich nicht. Textberater.com erklärt warum und gibt keine Tipps, die man auch nicht befolgen darf.

Es gibt so viele von ihnen – die Rede ist von den Datenschützern. Und sie sind die Don Quichottes unserer Web 2.0-Zeit. Ihre Windmühlen-Gegner heißen beispielsweise Facebook, StudiVZ, Kundendaten, Google Analytics oder auch einfach Fotoalbum.

Obwohl die Gelegenheiten zunehmen, in denen die Datenschützer zu Wort kommen, scheinen sie auf taube Ohren zu stoßen. Beispiele:

…und niemand hört zu

Nach der Datenaffäre bei SchülerVZ, bei der 1,5 Millionen Nutzerdaten per „Hackerangriff“ ausgelesen und teilweise im Netz verbreitet wurden, nahmen die Nutzerzahlen im Folgemonat zu.

Ein Kapern von Facebook-Gruppen durch eine Horde von Datenschutz-Aktivisten, an sich eine klasse Idee für eine virale Kampagne zur Aufklärung, wurde zwar in den Medien breitgetreten. Aber die Betroffenen schienen unbeieindruckt.

Und weil es so schön war: Textberater.com publiziert einen Artikel, in dem wir die These vertreten, Datenschutz sei lediglich Thema für Datenschützer. Der einzige Gegen-Kommentar dazu kommt natürlich von einem Datenschützer, dem es irgendwie entgangen zu sein scheint, dass wir genau das prognostiziert hatten.

Kurzum: Es tut weh mitanzusehen, wie es den Datenschützern nicht gelingt, sich in den Diskurs wirksam einzuschalten.

Gründe für die schlechte Wirksamkeit – wie immer reine Spekulationen:

  • Reaktiv statt proaktiv: Es wirkt bestenfalls wie ein machtloses Meckern, wenn man wieder und wieder einen neuen Datenschützer zu hören, lesen oder sehen bekommt, der zu einem bereits erledigten Fall seine Meinung abgibt. Übertriebene Einschätzung? Natürlich. Aber was soll so ein Datenschützer schon sagen, wenn er zu den neuen Einstellungen zur Privatsphäre bei Facebook um seine Sichtweise befragt wird?

  • Falsche Kanäle: Ja, jede Zeitung, jedes Fernseh-Magazin und auch die Radiosender rufen immer wieder an, um Statements zu aktuellen Fällen einzuholen. Das liegt an der Political Correctness, die sich fest im Berufsbild des Journalisten eingebrannt hat. Diese Correctness ist jedoch kontraproduktiv…

  • …weil man im Kampf um Aufmerksamkeit heutzutage provozieren muss. So eine Anti-Aids-Kampagne mit Hitler-Analogie und nackten Frauen im Video – das fetzt. Vor allem, weil sie einen Aufschrei der Entrüstung lostrat, der sogar die liberalen Youtube-Verantwortlichen dazu brachte, die Videos zu löschen.

  • Es gibt kein brauchbares Konzept. Sicherheit ist ein Wort aus den 80ern, als man mit Aufrüstung Wahlkampf machen konnte. Das konnte man auch nach 2000 noch, aber nur in den USA. Die Datenschutz-Agenda 2010 braucht etwas anderes. Eine subtile Strategie, die sich unwillkürlich in die Köpfe der Menschen trägt.

Was nun? Textberater.com keine Tipps, die niemand befolgen sollte. Viele dieser Aktionen, von denen wir dringend abraten, können rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Liebe Kinder, versucht das auf keinen Fall zu Hause.

1. Da sich Datenschutz-Themen derzeit vor allem um das Thema Internet drehen; wie wäre es, das Medium zu meiden? Liebe Datenschützer, wie wäre es, wieder Briefe statt Emails zu schreiben, gleichzeitig alle Ihrer Profile in Social Networks zu löschen und die Internet-Flatrate abzubestellen?

Was würde das bringen: Performance – vormachen statt drüber reden.

2. Da Sie, liebe Datenschützer, leider zu den Gutmenschen der Political Correctness zählen; schon mal an die dunkle Seite der Macht gedacht? Wie wäre es, Jobanzeigen für Hacker-Praktikanten zu veröffentlichen? Wie wäre es Profile wildfremder Menschen im Netz, im Fernsehen und auf den Plakaten in der Kohlenstoff-Welt zu veröffentlichen? Genügt es, gefakte Profile zu nehmen? Wie schnell fliegt man dann auf, wenn einen die Schein-Opfer verklagen? Und wenn es echte Profile wären; in welchem Verhältnis stehen in Deutschland Schadensersatz-Ansprüche zu den gesparten Werbekosten?

Was würde das bringen: Aufmerksamkeit.

3. Wie wäre es, keine Erklärungen in klassischen Medien abzugeben und stattdessen lediglich zu sagen, was macht macht? Wie viele Menschen würden dann anfangen, selber nachzudenken?

Was würde das bringen: Change of Mind.

4. Wie wäre es, nicht mehr über Facebook, StudiVZ oder Google zu reden? Hören die überhaupt zu?

Was würde das bringen: Freie Zeit für sinnvolle Gespräche.

Wie wäre es, die Menschen direkt anzusprechen? Was würde es bringen, Email-Adressen aus dem Netz zu sammeln und Spam zu versenden – bevor Sie ihre Flatrate abbestellen? Wie würde ein Spam-Email-Betreff einschlagen, der so klänge: „Alles gute zum Geburtstag“ oder „Ich mag Hip Hop auch sehr gerne“? Und was würde eine Absenderadresse im Kopf des Empfängers auslösen, die irgendwas mit Worten wie „Innenminister“ zu tun hätte?

Was würde das bringen: Reaktionen.

5. Würde es sich lohnen, einen guten Anwalt zu engagieren? Sicher.

Schlagworte: , , ,

1 Kommentar zu “Wie Datenschutz wieder wichtig würde”

  1. [...] This post was mentioned on Twitter by Textberater.com, Arrromat. Arrromat said: RT @Textberater_com -Wie Datenschutz wieder wichtig würde http://bit.ly/7TcKad http://bit.ly/6LtetE [...]