David gegen Goliath-Effekt

Wie Jako seine PR-Misere meistern kann

Am Mittwoch 2 September 2009 von Christina

Oben alt, unten neu: PR-Gau bei Jako wegen Geschmacksache

Oben alt, unten neu: PR-Gau bei Jako wegen Geschmacksache

Das hätte sich der württembergische Sportartikelhersteller sparen können: Ein Blogger lästert über das neue Logo. Anwalt schreibt Unterlassung. Ein paar Zeilen des gelöschten Artikels hängen im Suchmaschinen-Cache. Anwalt macht wieder Wind. Die Vielen eilen dem Schwachen zu Hilfe. Jakos Image droht ernsthaft Schaden zu nehmen. Textberater.com mit Tipps gegen die PR-Krise.

Auf Twitter gibt’s schon das Meinungs-Gewitter: “JAKO: was Du dem geringsten unserer Blogger getan hast, das hast Du mir getan!”

April: Blogger schreibt über das neue Logo

Was war geschehen: Ein bloggender Trainer namens Frank Baade schrieb einen Beitrag darüber, dass er das neue Logo von Jako doof fand. Das war im April.

Da solche Beiträge täglich zu Hunderten in die Webwelt geschossen werden, hätte jeder Kommunikations-Profi die Sache einfach ignoriert.

Juni: 2.000 Euro

Jako aber hetzte den Anwalt auf Trainer Baade. Jener schickte eine Abmahnung, die sich gegen vier Formulierungen aus dem Beitrag richtete. Und Baade löschte einfach den ganzen Beitrag von seiner Seite, unterschrieb die Unterlassungserklärung und nahm die Kosten von knapp 2.000 Euro in Kauf. Das war im Juni.

August: 15.000 Euro

Im August gab’s wieder Post vom Anwalt. 5.100 Euro Vertragsstrafe und 10.000 Euro Anwaltskosten, weil Text-Teile noch online zu finden waren. Dafür konnte Trainer Baade allerdings auch nichts. Eine tschechische Verlinkungs-Seite ähnlich den Google News hatte den Anreißer des Blogbeitrags noch angezeigt. Das interessierte den Anwalt nicht.

Aber es interessierte den Blog allesaussersport. Die brachten eine Meldung in der Sache. Das war Dienstag. Mittwoch, heute, sind mehr als 100 kritische Blog-Beiträge zum Thema online. Und die hängen auch noch auf der ersten Seite der Google-Ergebnisliste, wenn man nach Jako sucht.

September: 15.000 Euro plus PR-Budget von ca. 50.000 Euro

Und da kann der Goliath nun noch so freundlich tun: Man wolle auf Trainer Baade zugehen. Man wolle eine Erklärung veröffentlichen (die Jako-Webseite ist gegen 19.30 Uhr nicht zu erreichen, wahrscheinlich weil sie überlastet ist von den vielen Interessenten).

Um die viele PR-Arbeit und Reputation-Management wird Jako nicht herum kommen. Schlau wäre, eine schnelle und wendige Agentur einzuschalten, die erstens den Schaden minimiert und zweitens das Internet mit Jako zu versöhnen vermag.

Die nächsten Schritte für Jako, sozusagen als kostenloser Tipp:

Sofort:
- Ruhe bewahren, die tagesaktuellen Medien kann man nicht bremsen aber…
- …informieren!
- Mitarbeiter informieren
- Geschäftspartner informieren
- Pressemitteilung verschicken
- Chef, wo ist der Chef? In Krisenzeiten muss ein relevanter Ansprechpartner her. Der sollte beschwichtigen und keine Diskussion suchen. Stattdessen empfehlen sich Verlaufs-Meldungen darüber, dass hier ja wohl nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen werden sollte
- Youtube nutzen! Schnell ein Wackelkamera-Video drehen, solange das Thema heiß ist (Siehe auch den Artikel zur langsamen Reaktion der US-Pizza-Kette Domino auf ihren PR-Gau). Der Einstieg in die Internet-Kommunikation kommt bei den Bloggern gut an, weil man sich mit ihnen auf eine Stufe stellt. Und Medien werden den Clip auch zeigen. Dann ist es wichtig, Schritte anzukündigen und klar zu machen, dass man den Fall ernst nimmt.

Ab Donnerstag:
- Baade einladen und Familien-Foto schießen
- Die ganzen Strafen erlassen und die Anwalts-Kosten übernehmen

In den nächste Wochen:
- Mit jedem relevanten Blogger in der Sache Kontakt aufnehmen. Sagen, wie toll man seine Seite fände sowie seine Geschichten und hoffe, dass derjenige noch einen möglichst langweiligen Text über den nettesten Sportartikelhersteller der Welt veröffentliche (sonst bleibt die Google-Suche nach Jako für lange lange Zeit verseucht von Aggro-Parolen)

Oktober:
- Ein eigenes Internet-Projekt starten, vielleicht ein Magazin oder ein Blog, um die ersten Google-Treffer einzusacken
- Hoffnung hoch halten, die Krise als Chance begreifen
- Eine witzige Kampagne stricken (zum Beispiel die Jako Sportblog-Förderung mit Abstimmungen über ein neues Logo)

- Und in ein paar Monaten still schmunzeln, wenn der Nächste in die Blogger-Falle tritt

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12 Kommentare zu “Wie Jako seine PR-Misere meistern kann”

  1. [...] Wie Jako seine PR-Misere meistern kann [...]

  2. [...] könnte man meinen, dass sich JAKO von einem Text bei textberater.com habe beraten lassen: “Wie Jako seine PR-Misere meistern kann“. Pressemitteilung verschicken? Check. Der Chef muss her. Check. Baade einladen. Check. [...]

  3. [...] wie Facebook, Twitter & Co., verschließen, zeigte erst kürzlich wieder der Fall „Blogger Baade gegen Sportartikelhersteller Jako“. Was ist passiert? „Ein Blogger lästert über das neue Logo. Anwalt schreibt Unterlassung. [...]

  4. [...] paar harmlosen Tipps, wie der Sportartikel-Hersteller JAKO die aufgebrachte Internet-Gemeinde wieder…. (8 Kommentare) Egal, ob und wie schnell JAKO die Image-Wende vom bösen Goliath zum netten Mittelständler schafft, klar ist: [...]

  5. [...] Wie man vielleicht unfallfrei auf die Umgehungsstraße kommt beschreibt der Textberater. [...]

  6. [...] war (mein Kommentar, meine Meinung, liebe Mediatoren!) im Internet umgesehen und zum Beispiel diese Tipps gelesen. Demnach müsste JAKO den Trainer Baade morgen nach Mulfingen-Hollenbach einladen und ein [...]

  7. probek.net sagt:

    Vom Umgang mit Bloggern oder: Wie Jako anderen Leuten das letzte Trikot auszieht [Update: gespont und geheist]…

    Vom Umgang eines Sportherstellers mit Kritik. Eine live zu beobachtende Lektion in Social Media-Kompetenz, Abmahn- bzw. Linkwahn und negativer PR. Darsteller: ein Sportartikelhersteller aus Mulfingen, die ihn vertretenden Rechtsanwälte und ein Blo…

  8. Sportbekleider Jako weckt die Geister der Blogosphäre…

    Der deutsche Sportartikelhersteller Jako hat mächtig Ärger am Hals. Das Unternehmen ging juristisch gegen den Blogger Trainer Baade vor, der die neue Wort-Bild-Marke von Jako satirisch kritisierte. Nicht nur zwang ihn ein Anwalt den Inhalt zu lösche…

  9. T-Dog sagt:

    Sehr gute Tipps!

  10. supernorbert sagt:

    Besonders gut gefällt mir hier der positive Ansatz. Ich hab den Post gleich mal verlinkt.

    http://zwonullblog.blogspot.com/2009/09/alles-auer-cool.html

  11. David sagt:

    Jako wir jetzt wohl einen ähnlichen Kurs einschlagen müssen. Sie hätten es allerdings günstiger haben können, wenn sie von Anfang an etwa so reagiert hätten: http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Wie-eine-Firma-das-zu-ihrem-Vorteil-haette-loesen-koennen/forum-165083/msg-17306491/read/
    In vielen Unternehmen werden Mitarbeiter bezüglich des Umgangs mit Kritik/Reklamationen geschult, sobald sie Kundenkontakt haben. Schade dass Jako hier anscheinend zu sparsam war.