Harte Kritik in Spenden-Post

Wikipedia trifft Rache der Gelöschten

Am Mittwoch 18 November 2009 von Thomas

“Dies war einmal eine 100 Euro Spende. Leider wurden 99€ davon mangels Relevanz gelöscht!” Solche Spenden-Briefe bekommt Wikipedia derzeit häufig, weil sich die Wikipedianer über Löschungen von Artikeln ärgern.

Der Lösch-Streit tobt seit Wochen unter den Nutzern der freien Enzyklopädie. Wikipedia hatte deswegen auch zur Podiumsdiskussion gerufen. Doch die Fronten waren auch da verhärtet.

Ein überschaubarer Kreis von Administratoren prüft Einträge auf Wikipedia bezüglich ihrer Relevanz. Die Kritiker dieser Praxis beschweren sich, dass die Admins nach persönlichem Geschmack entscheiden.

Auch Protest-Spenden-Einträge werden gelöscht

Ihren Ärger machen die Lösch-Kritiker jetzt auch in Spenden-Briefen Luft, die online eingetragen werden. Ein-Euro-Spenden trudeln laut Focus massenweise bei Wikipedia ein. Außerdem schreiben die Kritik-Spender Kommentare dazu, wie: “Mir egal welchen Artikel ihr dafür löscht.”

Pavel Richter, Geschäftsführer der Wikimedia Deutschland, verteidigt die Löschpraxis: Die auch heute angewendeten “Relevanzkriterien” seien das Produkt einer jahrelangen Diskussion.

Die Wikimedia Deutschland hat mittlerweile einige Protest-Spenden gelöscht. “Leider hat sich gezeigt, dass immer wieder mit Fake-Einträgen (etwa durch falsche Bankdaten) ‘gespendet’ wird. Zweitens kommt es auch immer wieder vor, dass solche Lastschriften zurückgegeben werden; dies ist nicht nur ärgerlich, sondern kostet auch viel (Spenden-)Geld”, heißt es in einer Stellungnahme.

Die Lösch-Praxis war lange ein rein deutsches Phänomen. Wikipedia England hat sich beispielsweise erst in diesem Jahr durchgerungen, neue Einträge auf Richtigkeit zu prüfen. Allerdings war da auch der Tod eines noch lebenden Filmstars verbreitet worden.

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