Die dicke Enzyklopädie
Wikipedia: Und man freut sich doch auch über Masse
Am Dienstag 29 Dezember 2009 von Thomas1 Millionen Artikel in der deutschsprachigen Sektion der Online-Enzyklopädie Wikipedia und die Lösch-Diskussion droht sogar dieses Jubiläum zu überschatten.
Wer hat den einmillionsten Artikel geschrieben? Im Rennen um die markante Grenze ist ein Eintrag über den US-amerikanischen Gärtner und Autor Ernie Wasson. Aber dafür gibt es Löschanträge, da die Relevanz umstritten ist.
Heißt: Auch der Artikel zu dem Eisschnellläufer Robert Seifert könnte zum Rekordeintrag werden. Dieser Beitrag wurde von einem nicht angemeldeten Benutzer eingestellt.
“Was für ein Schrott“
Die Diskussion im Autorenforum typisch harsch: “Wenn man sich mal anschaut, was für ein Schrott abgeschickt wurde, nur um diesen Meilenstein für sich beanspruchen zu können – peinlich, peinlich. Und dann noch die nicht minder peinliche Diskussion um die Relevanz von Ernie Wasson, die zeigt, worum es in der deutschen Wikipedia geht: Um Eitelkeiten, um Rechthaberei.”
Eitelkeiten und Rechthaberei sind schon länger das Thema bei der deutschen Wikipedia. Ein eingeweihter und umstrittener Kreis von Administratoren entscheidet nach ebenfalls umstrittenen Relevanz-Kriterien, welche Artikel online gehen und welche es lediglich in den Papierkorb schaffen.
Was das soll, ist vor allem innerhalb der Wikipedia-Gemeinde umstritten. Die einen argumentieren mit „Klasse statt Masse“. Die anderen fragen, was ein „nicht relevanter“ Eintrag schaden könne.
So hört sich offene Diskussion an
Das Löschen sorgt für Unmut unter den Autoren. Nicht vergessen: Wikipedia lebt letztlich vom Engagement der freiwilligen Schreiber. Das Projekt finanziert lediglich Technik und Infrastruktur über Spenden.
Doch an der Spendenfront wurde letztlich ebenfalls scharf geschossen. Nutzer reichten reihenweise 1-Euro-Spenden ein – lediglich, um ihrem Unmut über die Löschungen von Artikeln Luft zu machen.
In den an den Minispenden angefügten Kommentaren hieß es dann beispielsweise: „Dies war mal eine 100-Euro-Spende. Aber 99 Euro wurden mangels Relevanz gelöscht.“
Für die Außenwelt mutet der harsche Ton unter den Wikipedia-Freiwilligen befremdlich an. Textberater.com schrieb beispielsweise einen essayistischen Artikel über die Löschdiskussion; prompt gab’s Saures in den Kommentaren.
Aber wer weiß: Vielleicht gehört eine gewisse Härte einfach zum Leben in der freien Enzyklopädie. Wem das zu weit geht, kann ja zum Brockhaus greifen und Pfefferminztee trinken.
Wie dem auch sei. “Wir gratulieren den tausenden von fleißigen und freiwilligen Mitarbeitern der Wikipedia zu diesem rasanten Wachstum”, sagte Pavel Richter, Geschäftsführer bei Wikimedia Deutschland, dem Verein hinter Wikipedia.
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Schlagworte: Foren, Guter Stil, Internet-Publikationen, Wikipedia

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